Nein

Sei kein Ja-Sager! – 3 Schritte zu einem glücklichen „Nein“

In Folge vieler Erwartungen, die wir nicht erfüllen wollen und können, führt es uns recht schnell an den Punkt, dass wir auch „Nein“ sagen müssen. Aber meist fällt uns grade das am aller schwersten. Wenn wir dies aber nie tun, hat es vor allem für uns – nein eigentlich nur für uns – ganz fatale Folgen.

Im privaten Umfeld führt dies dazu, dass wir mit Verpflichtungen überhäuft werden und Zusagen machen, die wir eigentlich nicht halten wollen oder vielleicht schon im Vorfeld wissen, dass wir diese auch nicht halten werden. Wir überstrecken uns, werden übellaunig, fordern gleiches ein und reagieren dann meist unfair.

Im beruflichen Umfeld nicht „Nein“ zu sagen, bedeutet meist schnell eine Überforderung, verbunden mit Frust, Versagensängsten und Ungerechtigkeitsempfinden. Allein das Gefühl, dass die unbeliebteste Arbeit zum Jahresabschluss immer nur an uns hängen bleibt, während dessen sich dreiste und faule Kollegen immer drum herum schlagen, führt zu inneren Wutausbrüchen.

 

Sind Nein-Sager die glücklicheren Menschen?

Ich mag diese Menschen nicht, diese Kollegen, diese Bekanntschaften, die einem bei egal welcher Frage erst einmal mit Ablehnung begegnen. Und jeder dürfte so einen Stiesel in der Firma haben, um den im Falle von Sonderaufgaben immer ein riiiiiiiesen Bogen gemacht wird. Der vermutlich weder Freunde, noch Spaß, noch sonst einen Genuss im Leben hat.

Aber ich möchte auch gar nicht darauf hinaus, dass wir alle notorische Nein-Sager werden, die versuchen jedwede Mehrarbeit von sich abzuhalten, bis sie letztlich jedwede Menschen von sich abhalten, sondern mir geht es um etwas anderes.

Denn wir sollten unsere „Ja´s“ und „Nein´s“ die wir den anderen geben besser durchdenken und nicht leichtfertig in den Raum geben. Denn mit jeder Zusage, die wir geben, gehen wir Verbindungen ein, die es einzuhalten gilt. Um den eigenen Erwartungen und denen der anderen zu entsprechen, sollten wir also wissen, ob wir den geforderten Aufgaben, Gefallen und Bitten überhaupt nachkommen können und wollen.

Eigentlich – und das mag jetzt vielleicht überraschen, denn im letzten Beitrag ging es ja noch um die unfreundlichen Menschen, die kein Bitte und Danke kennen – plagen wir uns alle damit, wenn wir Gefallen abschlagen müssen möchten. Und das verbindet uns miteinander. Denn sofort, wenn wir wissen, dass wir eine Aufgabe, einen Gefallen nicht übernehmen möchten, schalten sich Angst und das schlechte Gewissen ein.

Kindern fällt ein „Nein“ wenn sie etwas nicht mögen meistens sehr leicht. Sie überlegen oft nicht lange und folgen ihrem Impuls. Also was ist für uns eigentlich so schwierig an diesem einen kleinen „Nein“-Wort? Und wie können wir es lernen, ein „Nein“ so zu formulieren, dass es sich für uns nicht schlecht anfühlt, sondern es uns glücklich macht?

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In 3 Schritten zu einem glücklichen „Nein“

Schritt 1: Nicht sofort antworten

Räume dir eine Bedenkzeit ein. Sag, deinem Gegenüber, dass du kurz einen Moment darüber nachdenken musst, ob dieser Gefallen, diese Bitte oder diese Aufgabe von dir übernommen werden kann. Gebe hierbei am besten eine verbindliche Rückmeldung. „Ich muss kurz nachschauen ob ich Zeit habe, die Kapazitäten habe, das in mein Aufgabengebiet fällt“

Und dann nutze diese Bedenkzeit um für dich selber klar zu machen, ob du tatsächlich die Möglichkeiten dazu hast, dem Gefallen nachzukommen, die Aufgabe zu erledigen oder ob ansonsten andere für dich wichtige Dinge in den Hintergrund geraten und du im schlechtesten Falle hierdurch sogar druckvollen Stress bekommst.

 

Schritt 2: den „Worst-Case“ ausmalen

Überlege dir: Was könnte schlimmstenfalls passieren wenn du „Ja“ sagst?

Male dir aus, was alles auf dich zukommt. Was bedeutet der Gefallen, die Aufgabe, die Bitte für dich und deine Zeit, dein Nervenkostüm und deine anderen Tätigkeiten?

Denke daran, dass du hiermit eine Verpflichtung eingehst, die – wenn du sie erstmal eingegangen bist – schwer wieder zu lösen geht. Wie viel weniger Zeit und Kraft steht dir zur Verfügung? Wie viel mehr Stress hast du hierdurch? Wie sehr ärgerst du dich über deine eigenen Inkonsequenz und Labilität?

Und Überlege dir nun: Was könnte schlimmstenfalls passieren, wenn du „Nein“ sagst?

Vor welchen Konsequenzen hast du Angst?

Wird dir dein Job gekündigt? Wohl eher nicht.

Wird dir deine Freundschaft gekündigt? – Vielleicht und dann schreibe eine Dankeskarte, denn es war eine schlechte Freundschaft

Wird deine Familie dich verteufeln? – Nein! Das sind die Menschen die zu dir halten, dich lieben und Verständnis dafür haben, wenn du nicht kannst. Wenn doch, siehe Punkt „Freundschaft“

Was ist es also dann, wovor du Angst hast?

  • Die Angst nicht mehr gemocht zu werden Kein Mensch wird von jedem gemocht. Es hat auch Vorteile nicht mehr „Everybodys Darling“ sein zu müssen. Diesen Umstand zu berücksichtigen, ist vorallem auch für die Menschen wichtig, die sich durch ihr Helfer-Syndrom bestätigt und wahrgenommen fühlen. Unser Umfeld mag uns, weil wir einen tollen Charakter haben, weil wir einstehen, zuhören, mithelfen. Aber nicht, weil wir bedingungslos und naiv einfach immer alles tun.
  • Die Angst vor einem Konflikt – Konflikte gehören zum Miteinander dazu. Festigen, lenken und prägen unsere Beziehungen. Hier ist also nicht die Frage, ob es in einen Konflikt geht, sondern vielmehr wie.
  • Die Angst egoistisch zu wirken – Ja! Denn es geht nur um dich! Um deine eigenen Kräfte und Kapazitäten. Wenn du diese nicht als Begründung siehst, dann kannst du einen Gefallen nur aus Unsympathie des Bittstellers gegenüber abschlagen und ganz ehrlich, dann geht dir dies sowieso leicht über die Lippen. Von daher, ja es ist egoistisch. Aber es ist ein gesunder Egoismus. Einer, der dich schützt. Und zwar so, wie es kein Aussenstehender für dich tun würde bzw. kann. Also sieh es lieber als eine Warnfunktion deines Verstandes für deinen Körper, als einen negativ egoistischen Zug.
  • Die Angst etwas zu verpassen – Als Inbegriff des Zweitnamen „Freizeitstress-Steffi“, weiss ich genau was einen hierbei antreibt. Aber es wurde für mich auch irgendwann mal Zeit Prioritäten zu setzen. Nicht nur nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen, sondern vielleicht auch einfach mal auf keiner. Wer zu viel unter Strom steht, einem Ereignis nach dem nächsten nachjagt, der verpasst dann zwar eine zeitlang keine Gelegenheit, aber irgendwann den Bezug zu sich selbst. Dies führt ohne Umschweife und ohne angezogene Handbremse direkt gegen eine graue Mauer – versprochen!

Übrigens: Ausreden wie „dann macht es ja sonst keiner“ zählen hierbei nicht. Siehe dies nicht als Frage, sondern als Aussage für dich selbst. Dann macht es eben keiner. Punkt.

Sag mir bitte unbedingt Bescheid, wenn hierdurch die Welt untergegangen ist, denn dann muss ich diesen Part noch einmal überarbeiten.

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Schritt 3: Tu es – sag ja zum „Nein“

Wenn du für dich Schritt 1 und 2 geklärt hast, dann tu es einfach. Kein Rumdrucksen, kein Schönreden, keine Gegenfragen. Einfach „Nein“ sagen. Aber wie?

  • Eine Faustregel besagt hierbei: Sag es freundlich aber bestimmt! Ein klares Nein reicht eigentlich als Antwort. Du musst nicht immer Erklärungen abgeben oder dich in Rechtfertigungen verstricken. Denn so verfällst du direkt wieder in eine Form von Schuldigkeit und geplagtem schlechten Gewissen. Und das solltest du nicht.
  • Begründen statt Rechtfertigen Du kannst aber deinem Gegenüber gerne mit ein paar mildernden Worten beschreiben warum diese Entscheidung keine persönlich gegen ihn gerichtete, sondern eine dich selbst schützende ist. Denn natürlich kannst du dein „Nein“ begründen, schließlich hast du dir vorher Überlegungen dazu gemacht.
  • Nicht Einlenken oder einen Kompromiss vorschlagen Bleibe hartnäckig bei deinem „Nein“. Dies bedeutet nicht, dass du stur sein musst und kein Stück kompromissbereit bist. Aber lass dein Gegenüber, der von DIR etwas möchte sich ruhig ein paar „Zuckerstückchen“ einfallen, um dich von einem Kompromiss zu überzeugen. Es ist SEINE Aufgabe, sich um dich und diesen Gefallen zu bemühen. Daher sollte dies nicht als Nachsatz auf dein „Nein“ direkt von dir kommen, nur um deinem schlechten Gewissen vorzubeugen. Besser ist: Gegenangebote machen. Schlage selber vor, wie sich die Angelegenheit anderweitig, ohne deine direkte Hilfe oder einfach von jemand anderem erledigen lässt. Somit zeigst du ein grundlegendes Interesse für das Anliegen und dass dir dein Gegenüber nicht egal ist.
  • Bedanken und Verständnis zeigen Nicht immer lehnst du eine Sache ab, die sonst keiner machen will (so wie das lästige Jahresabschluss-Nerv-Zeugs). Manchmal übersteigt es einfach deine fachlichen, physischen und zeitlichen Möglichkeiten oder die Kollegen und Freunde sind einfach selber überlastet. Daher bedanke dich für das mit der Frage geschenkte Vertrauen und die damit einhergehende Anerkennung. Und zeige Verständnis dafür, dass der andere dich darum gebeten hat. Gib ihm zu verstehen, dass du seine missliche Situation ehrlich nachvollziehen kannst. Und er gerne zu einem anderen Zeitpunkt auf deine Unterstützung bauen kann. Und noch besser: Gegenangebote (siehe oben)! Lass ihn nicht im Regen stehen, sondern mach ihm Vorschläge die Situation zu lösen.

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Was passiert wenn ein „Nein“ nicht akzeptiert wird

Und wenn dein Gegenüber dann auf all das unverständlich reagiert, dann bedenke: es war eine Bitte, kein Befehl. Du bist niemandem etwas schuldig und es ist dein größter Auftrag auf dich, deine Kapazitäten und deine Kräfte aufzupassen. Ein anderer wird dir dies nicht abnehmen. Eine Überlastung und Überforderung geht immer auf dein Lebenskonto und manchmal sogar auf das Konto deiner Liebsten. Denn diese sind in Frustration, Zeitmangel und Unglück immer unmittelbar mit eingebunden.

Durch zu viel „Ja“ sagen, habe ich weder meinen Job besser gemacht, noch mehr Freunde gewonnen. Ehrlich gesagt genau das Gegenteil, denn die Überforderung im Job, die auch aus zu wenig „Nein“-sagen bestand, führte zwangsläufig in eine Einbahnstraße. Hierdurch entstandener Druck, Stress und Anspannung wirkten sich unmittelbar auf meine Freundschaftskonten aus.

Zu wenig „Nein“ im privaten, führten dazu, dass ich an meiner Zeit, für mich und mein Lebensgefühl einbüßte und mich letztlich selber, einfach mangels Zeit, aus den Augen verlor.

 

Der kurze Weg zum klaren, lauten, herzlichen „Ja“

Zugegeben, die einzelnen Schritte durchzugehen klingt auf den ersten Blick erschlagend. Aber es zeigt auch, wie viel an diesen kleinen Wörtchen hängt und was es eigentlich für uns so schwer macht. Und es zeigt, dass es sich lohnt, auch ruhig mal über einen Gefallen, eine Aufgabe nachzudenken und die Übernahme derer nicht als selbstverständlich anzusehen.

Durch zu viele berufliche und private Einbußen habe ich im vergangenen Jahr sehr oft lernen müssen „Nein“ zu sagen. Und natürlich helfe und unterstütze ich weiterhin mein Umfeld, Freunde, Familie, Bekannte, Kollegen. Wenn ich für mich aber mit einem herzlichen „Ja“ die Dinge wohl durchdacht und gerne mache, bin ich mit einem ganz anderem Engagement bei der Sache, als mit einem faulen-Kompromiss-Jein. Dieser geht nämlich letztlich immer an die eigenen Kapazitäten und mürrisch wahrgenommen schadet der Gefallen einer Beziehung mehr, als dass er hilft.

„Nein“ sagen ist nicht zwangsläufig egoistisch, wenig hilfsbereit oder stur. Wenn du an den richtigen Stellen im richtigen Maße „Nein“ sagst und dafür das herzliche und ehrlich „Ja“ lauter als zuvor, sehr bewusst und gerne lebst, ist dies der richtige Weg zu einem glücklichen „Nein“.

Deine Steffi

von felicee-feeling.de

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3 comments

  • Christine-Claudia Fischer

    Liebe Steffi, das ist wieder einmal ein sehr schöner Bericht, der mich direkt zum Nachdenken angeregt hat. Ich komme aber zu dem Schluss, dass ich für mich das richtige Maß an „nein“ und „ja“ schon gefunden habe. Vielleicht kommt das mit dem Alter oder einfach durch die Kinder, aber ich sage schon lange nicht mehr zu allem „Ja und Amen“.

    LG Christine

  • Jaimee

    Ich denke auch, dass man das richtige Maß mit dem Alter finden kann! Früher habe ich seltener Nein gesagt, wenn es angebracht gewesen wäre. Mein Leben hätte vielleicht ein ganz andere Richtung einnehmen können, aber mittlerweile sage ich wie Christine nicht mehr zu allem JA und Amen und das ist denke ich eine gute Entwicklung!
    Liebe Grüße
    Jana

  • Ralf

    Wenn es sich nicht gut anfühlt, tu es nicht!
    Ich beschäftige mich selber auf meinem Blog mit dem Nein sagen. Deshalb bin ich auf Deinen Artikel ein bisschen neidisch, weil er so gut ist. Danke dafür.

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