Ankommen

Warum Nicht-Ankommer nicht normale Menschen sind (und trotzdem glücklich)

„Wann kommst du endlich an?“

Hast du das auch schonmal gehört?

Diese eindringliche Frage, verbunden mit dem innigsten Wunsch meines Umfelds, nun endlich sesshaft zu werden, einmal in festen Bahnen zu laufen, habe ich schon so oft gehört. Alleine beim Summen der Tonlage dieser Frage geht eine aufkeimende Wut bei mir einher, die sich auch nicht mehr ohne ein darauffolgendes Wortgemetzel umgehen lässt. Und lange Zeit wusste ich nicht, warum viele Menschen, insbesondere die Generation 50 +, so eine Wichtigkeit ins „Ankommen“ legen.

Ich bin, bevor ich nach Köln kam, in einer konventionellen, mittelgroßen Stadt des Ruhrgebiets aufgewachsen. Meine Vita ist unauffällig, ebenso wie die vorherrschenden Familienstrukturen und mein Heranwachsen, finde ich.

Kein rebellischer Punk, kein verwirrter Freak, kein weltrettender Aktivist – zumindst noch nicht! Ich bin weder gepierct, noch tätowiert, habe mittelbraunes, mittellanges Haar zu einer mittelschlanken Figur. Also scheine ich wohl irgendwie „normal“ zu sein, oder?

Und trotzdem fehlte mir ein wahnsinnig großer Teil um glücklich zu sein, was auch immer dieses Glück bedeuten und beinhalten mochte. Ich fühlte mich erdrückt von den gesellschaftlichen Vorstellungen und Werten, die auf mir lasteten.

Diesen Wunschgedanken vom „Ankommen“ hatte ich bisher noch nie. Und ich habe mich auch noch nie so gefühlt. Aber viele Menschen in meinem Umfeld, egal ob jung oder alt, erachten dies als ihr oberstes und erstrebenswertes Ziel. Die erst zufrieden und glücklich sind, wenn sie das Gefühl des Angekommenseins empfinden.

Und so habe ich lange Zeit Ratschläge von Freunden und Familie angenommen, die einfach andere Erwartungen an ihr und mein Leben haben. Ich berichtete in den vergangenen Wochen bereits darüber, dass die Erwartungen anderer noch lange nicht meine sind und wie wichtig es ist diese Erwartungen loszulassen.

Bis ich nach Köln zog dachte ich auch, dass ich mit meiner Lebens-Version alleine wäre, also auch irgendwie doch nicht so normal wie Andere in meinem Alter. Doch dann ging ich raus. Zog in die Großstadt, etwas weiter weg von meinem gewohnten Umfeld, meinen Freunden, meiner Familie.

 

Ankommen

Nichts ist so beständig wie der Wandel

Dort stellte ich dann fest, dass es vielen anderen Menschen, unabhängig von deren Alter, ganz genau so geht. Dass es nicht schlimm ist, noch nicht „angekommen“ zu sein – ob du 30, 50 oder 70 bist. Dass dieses Suchen ein Leben lang anhalten kann. Dass jeder von uns einfach ganz andere Erwartungen an sein Leben hat. Dass jeder seinen Weg und die Art, wie er leben möchte, frei wählen darf.

Aber warum kommen viele von uns nicht an, wollen nicht ankommen, können nicht ankommen und fühlen sich hierbei ausgegrenzt? Es gibt viele Berichte und noch mehr Erklärungsversuche über die nicht-liierten-zur-Miete-Wohner, nie-erwachsenen-kinderlosen, die nicht-karriere-wollenden-Jobhopper. Eines haben sie alle gemein: dass das Nichtankommen kein Grund für ein unglückliches Leben ist. Und es sich schon längst nicht mehr um eine Randgruppe handelt, sondern um ein selbstbestimmtes Lebensgefühl.

Ja, ich stehe dazu! Ich bin ein Teil dieser Bewegung! Ich möchte kein Eigenheim! Ich möchte keinen Job ausüben, den ich bis zur Rente habe! Ich möchte nicht den Mann fürs Leben schon vor 10 Jahren gefunden haben! Und dass ich immer noch keine Kinder habe, lässt meine innere Uhr kein Dezibell lauter ticken!

Aber ich bin kein rebellischer Punk, kein verwirrter Freak, kein weltrettender Aktivist. Sondern Veränderungen gehören einfach zu meinem Alltag!

“Nichts ist so beständig wie der Wandel”, sagte Heraklit von Ephesus (etwa 540 – 480 v. Chr.)

In jedem Wandel, in jeder Veränderung stecken Risiken und Chancen. Letztlich ist es an jedem Einzelnen von uns, wie wir dies sehen wollen und was wir aus der Veränderung machen. Welche Lebens-Version wir für uns wählen.

Bislang zog ich alle 2 bis 3 Jahre um, wechselte in diesem Rhythmus auch Job und Beziehungsstatus. Dieses Muster ist nicht bewusst, nicht ausgesucht – einfach Tatsache. Ich glaube, für mich muss sich nach einiger Zeit wieder etwas bewegen, um selber in Balance zu kommen. Ich habe keine Angst vor Veränderung, es gefällt mir, mich und Formen des Lebens hierbei immer wieder neu zu entdecken.

So habe ich nicht erst einmal meinen Hausstand vollständig aufgelöst, bin mit Anfang 30 monatsweise in WG´s gezogen, suche mir eine Wohnung die sehr ruhig direkt am Waldrand liegt oder so wie in Köln mitten in der trubeligen Altstadt.

So hüpfte ich vom Maklertum, über das Bankengeschäft, in die Hausverwaltung, dann in den Verkauf, die Vermietung und zum Schluss in die Fondsverwaltung.

Meine Motivation ist hier meist eine „hin zu“ statt „weg von“, da ich mich bisher gerne auf Neues und Unbekanntes eingelassen habe.

Ankommen

To keep your balance, you must keep moving

Das Wissen stärkt mich, dass ich nicht alleine bin und nicht so sonderbar unnormal bin, wie es für mein Umfeld schien. Die Gewissheit, dass es Vielen ganz genau so ergeht. Menschen, die mitten im Leben einen erneuten Schritt wagen und sich verändern – beruflich oder privat. Dies gibt mir sehr viel Lebensmut, weckt den Wunsch durchzuhalten und alle Ziele des Glücks zu erreichen, aber auf meine Art und Weise.

Und zu diesem selbstgewählten Lebensgefühl gehört auch die Möglichkeit, sich im Laufe der Zeit zu verändern – und vielleicht doch einmal ankommen zu wollen – aus der eigenen Motivation heraus. Es gibt keine Sicherheiten, die dir garantiert werden und für immer bleiben. Du bist selber in der Verantwortung, die Dinge zu halten, die bleiben sollen und die Dinge zu ändern, die sich ändern sollen.

Sicher ist nur: Glücklichsein hängt nicht davon ab, ob du jetzt ankommst, bereits angekommen bist oder eben nicht – sondern von deinem selbstbestimmten Lebensgefühl – find your balance. Wenn du dich in deinem Umfeld unverstanden fühlst – keep moving – suche dir einen Ort und Menschen, die das gleiche Lebensgefühl teilen. Denn viel wichtiger, als die Erreichung eines genormten Gesellschaftsziels ist dein eigenes Gefühl hierbei – dein Lebensplan vom Glück!

 

Deine Steffi

von felicee-feeling.de

 

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6 comments

  • Limalisoy

    Hallo Stefanie,
    das mit dem unterschiedlichen Ankommen kenne ich nur zu gut. Ich musste auch lange suchen und dachte immer wieder, dass ich nun angekommen bin, doch dann kam der stete Wandel! Aktuell habe ich schon das Gefühl, angekommen zu sein – zumindest was meine beruflichen Ambitionen anbelangt, doch Neuem verschließe ich mich nicht und mal sehen, was noch kommt. Für den Moment bin ich zufrieden und glücklich, aber ob ich damit dauerhaft meine innere Balance halten kann, weiß nur der Himmel!
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende und sende liebe Grüße
    Yvonne

    • Steffi

      Liebe Yvonne, ich finde es total wichtig für Veränderungen so aufgeschlossen zu sein, wie du es scheinst. Diese Gelassenheit und Einstellung hilft um nicht aus der Ruhe gebracht zu werden, wenn es doch mal anders kommt als geplant!
      Viele Grüße,
      Steffi

  • Nicole

    Hallo.

    Also ich bin der Meinung, so richtig ankommen tut man ja eigentlich nie!!
    Ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Den das Leben verändert sich ja ständig und man hat höhen und tiefen, bei dennen man immer denkt, dass man nie Glück hat, im Leben angekommen zu sein.

    LG

  • Jana

    Ich glaube, ich bin noch nicht angekommen. Bin nur auf Durchreisestillstand! Einige Ziele in meinem Leben habe ich jedenfalls noch nicht erfüllen können und die sind mir immer noch sehr wichtig. Es verändert sich alles so nach und nach und man selbst sich auch, aber bestimmte Ziele bleiben!

    Wie immer sehr schön geschrieben und deine Bilder finde ich auch immer sehr schön und passend!
    Danke auch für dein Kompliment heute 😉
    Liebe Grüße
    Jana

    • Steffi

      Liebe Jana, ja du hast recht. Nicht nur die äußeren Umstände ändern sich, sondern auch wir selbst. Somit können sich neben Ansichten, Einstellungen auch unsere Werte und Ziele ändern. Umso wichtiger ist es daher nicht, dem Ankommen selber nachzujagen, sondern uns selber treu zu bleiben.
      Das Wort Durchreisestillstand gefällt mir übrigens sehr!
      Viele Grüße,
      Steffi

  • Christine-Claudia Fischer

    Wow, sehr schön geschrieben. Und ehrlich! Ich gehöre ja eher zu den Menschen, die sich mit 16 für einen Mann entschieden haben, diesen dann 10 Jahre später geheiratet haben, ein Haus gekauft und Kinder gekriegt haben. Komischerweise war das für mich von Anfang an meine Vorstellung vom Leben. Meine Kollegin war das genaue Gegenteil. Jetzt ist sie 45, solo, ohne Kinder und bemerkt, dass sie in ihrem Leben wohl nie mehr ankommen wird, da sie eigentlich den Traum von Mann, Kindern und Haus zu lange ignoriert hat. Ich glaube aber, dass man – je älter man wird – andere Vorstellungen vom Leben bekommt und daher immer neuere Erwartungen hat und deswegen wohl auch nie so richtig ankommen wird.
    LG Christine

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