Arsch-Ego Gute Laune

Schließe Frieden mit deinem Arsch-Ego

 

Unglücklich sein bekämpfen

Kennst du die Tage, an denen dir dein eigenes Unglück auf der Seele brennt? An denen egal was um die Ecke kommt, einfach die gute Laune ausbleibt?

Es gibt einfach Ereignisse, die einen unglücklich machen, einen plötzlich so runter ziehen, dass es gar nicht mehr um das Glück im Großen und Ganzen geht, sondern plötzlich, wie auf einem Survival-Trip, nur noch um das Überleben heute, hier und jetzt.

Es ist noch nicht lange her, dass mein Ex und ich uns getrennt haben. Irgendwie einvernehmlich, irgendwie in Frieden und irgendwie ging es mir danach einfach nur gut. Ich habe seitdem mein Single-Leben wieder in vollen Zügen genossen, viel unternommen, ein paar neue Menschen kennengelernt und hin und wieder in friedlich harmonischer Umgebung meinen Ex zum angenehmen Smalltalk getroffen. Es gab mir ein wirklich gutes Gefühl, dass wir das Ganze so langsam ausklingen lassen und uns freundschaftlich begleiten. Irgendwie so vernünftig und erwachsen.

All dies war sicherlich nur möglich, weil ich bereits einige Monate vorher schon den Wunsch hatte, die Welt wieder als Single, ohne ihn zu durchschreiten. Denn ich wollte mein Leben nicht mehr mit einem Wolke 4-Mann weiterleben. Daher war die Trennung eher eine Befreiung als ein trauriger Bruch.

Und nun, wenige Wochen später scheint mich das alles gefühlsmäßig völlig einzuholen. Denn nur kurze Zeit später hat er eine Neue!

Ich weiss was ich hierzu denken sollte: „Du willst ihn nicht zurück, also gönn ihm das neue Glück“, „früher oder später war doch klar, dass es soweit kommt“, „du hast doch auch schon Einige kennengelernt und könntest mehr daraus machen“

Aber ich bin vollkommen unkontrolliert und mir flüstert jemand zu: „wie kann er mich so einfach ersetzen?“, „wie kann er so schnell mit mir fertig sein?“, „wie kann er so schnell wieder Gefühle für eine Andere haben?“

Mein Hirn redet in einer Tour auf mein Herz ein und versucht mit brachialer Gewalt, das was in mir brodelt zu unterdrücken. Traurige Gedanken, Gefühle des Alleinseins und die Angst davor, dass diese Gedanken und Gefühle erst einmal bleiben. Und dann erwischt es mich, erstmals bin ich so richtig traurig seit unserer Trennung. Nicht wegen des Faktes, dass ich ihn als Partner nicht mehr an meiner Seite habe, sondern vielmehr wegen all der „Happy-Single“ Gedanken, die heute irgendwie Pause machen. Verscheucht aufgrund dieser Nachricht von seiner Neuen.

Aber gehört all dies nicht zu einer richtigen Trennung dazu? Traurig sein und sich dem Schmerz hingeben? Hätte ich mich nicht schon zu unserer Trennung – allein das Wort klingt schon so schmerzhaft in diesem Moment – ganz traurig und schlecht fühlen sollen? Mehr beschämt, mehr verzweifelt, mehr einsam? Warum sitzt grade jetzt jemand auf meiner Schulter und hinterfragt all das?

Grüsse aus Ehrenfeld

Kein Alkohol ist auch keine Lösung!

Die aufbauenden und tröstenden Worte meiner Freundin, mich einfach hier ins trubelige Kölner Leben zu stürzen und abzulenken, haben mich ein klein wenig gerade gerückt. Der am morgen gelesene Tipp gegen Einsamkeitsgefühle: „Sei dir selbst ein guter Freund und genieße die Zeit mit dir alleine“ motivierte mich.

Hingegen der Versuch, diese beiden Ratschläge in die Tat umzusetzen, deprimierten mich wieder total. Ich habe mir einen Kölner Stadtteil ausgesucht, der belebt und beliebt ist, voller interessanter Selfmade-Läden, junger Leute und mir bislang noch relativ unerschlossen: Ehrenfeld. Also streunerte ich den Vormittag durch Ehrenfeld, versuchte mich kläglich im Frust-Shopping, wozu mir Motivation und irgendwie auch das Geld fehlte und zog aufgrund des sehr ungemütlichen Wetters durch eher leere Straßen, mit geschlossenen Kreativshops und einer erneut stetig wachsenden Traurigkeit.

So landete ich in einem Café, schaute auf die weiterhin leeren Straßen und bestellte mir morgens um elf einen Latte Macchiato mit extra Schuss Baileys und dazu ein Kölsch, einfach um die Nerven zu behalten, die Stimme auf meiner Schulter leiser werden zu lassen und somit auch einfach etwas zu tun was ich sonst nicht mache. Um mein Leben für einen kurzen Moment einfach aufregend und anders zu erleben. Tun und Lassen was ich möchte – Schnaps am Vormittag – Yeeehaaa!

Natürlich halte ich nicht viel davon, wenn man alle Sorgen, Schmerzen und Frust im Alkohol ertränkt, aber ich halte viel davon es hin und wieder einfach doch zu tun und es dann in vollen Zügen zu geniessen. Denn wie heisst es doch so schön? Kein Alkohol ist auch keine Lösung!

Ich durchforste die Internet-Ratgeber, was man in einem Notfalle (akuter Anfall von Liebeskummerfrust ist in diesem Falle ein Notfall) gegen das unglücklich sein tun kann. Und stolpere über die üblichen Verdächtigen. Den Ratschlag zum Sport treiben, ins Kino gehen, mit Freunden treffen, Urlaubspläne schmieden… All das mag sicher richtig und vor allem auch nachhaltig sein, aber jetzt in diesem Moment hilft mir einfach nur eine gehörige Portion Schnaps, zusammen mit Kölsch am Vormittag.

Und sicherlich ist dies kein Allheilmittel für schwierige Lebenssituationen, es wird daher weder propagiert, noch findet es in irgendwelchen Ratgebern Anklang. Aber: es hilft! Jetzt, hier, in diesem Augenblick, da fühle ich mich beduselt angetrunken und ein wenig selig. Einfach mal etwas zu tun, was man nicht tun sollte, was verächtet und beschrien wird.

Kaffee-Baileys und Kölsch

Kölsch mit meinem Arsch-Ego

Und auf einmal springt jemand von meiner Schulter direkt auf meinem Tisch. Mein alter Arsch-Ego! Und dann fällt mir auf, dass er eigentlich schon die ganze Zeit da war. Dass mein Arsch-Ego mir diese Sprüche über das Ersetztwerden und das Verrücken des Mittelpunktes zuflüstert und eigentlich nicht ich selbst sondern dieser Arsch. Schlicht und einfach ein Ego-Problem mit dem Ganzen hat. Er beschwert sich bei mir, wie ich es habe soweit kommen lassen und schimpft, warum ich jetzt so elendig in der Ecke sitze und irgendwie tut er sich selbst und mir jetzt grade auch leid. Ich verstehe meine plötzliche Traurigkeit und den Schockmoment über meine überraschende Reaktion auf die Neue.

Und dann fällt es mir irgendwie leichter mit der ganzen Situation umzugehen. Und so sehr ich mich auch über den Besuch des Egos ärgere, so froh bin ich auch, dass er mit all seinem Stolz, seiner Überzeugung und unerwarteten Einflüssen immer wieder mal an meinem Leben teilnimmt. Mein Ego, dass mich vor einem nervlich, emotionalen „Zusammenbruch“ direkt nach unserer Trennung beschützt hat. Mich raus schickte um das Leben, Köln, das Single-sein wieder zu erleben.

Ich bestelle mir direkt ein zweites Kölsch hinterher, sozusagen zum Anprosten mit meinem Arsch-Ego. Hier und jetzt, mittags um 12 machen wir zwei kleinen Feinde eine Entdeckung über unsere Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Und ich verabschiede mich in Gedanken mit dem festen Wunsch ihn bitte so schnell nicht wieder zu sehen. Adios Arsch-Ego!

Morgen, gleich morgen beginne ich dann mit all den herzlichen, richtigen Ratschlägen. Beginne den Tag mit Jogging am Rhein, wende mich meinem neuen Hobby der Fotografie zu und treffe mich mit meiner Freundin für einen Kinobesuch. Aber heute bin ich unvernünftig, trinke Alkohol am Mittag und „geniesse“ einfach einen Tag lang mal den Kummer, den mir meine Trennung bereitet hat. Um gleich morgen wieder etwas geheilter von dem Unglück des heutiges Tages zu erwachen.

Frieden schließen

An diesem Tag wurde mir besonders deutlich, dass wir uns immer vor Augen halten sollten, wer und was uns grade lenkt und antreibt. Unsere Gedanken oder Gefühle bestimmt. Denn meist dominiert die zerstörenden Gedanken über das „ich bin es nicht wert“ und „warum passiert dies ausgerechnet mir?“ ausschließlich das Ego.

Nicht wir selbst sind diese bösen, verzweifelnden Gedanken, sondern vielmehr die innere Stimme, die uns klein zu halten versucht – unser Arsch-Ego. Das Ego ist wohl die einzig existente Macht eines selbstständigen Menschen, die es schafft, dich über die weissen Wolken schweben oder über den dreckigen Boden kriechen zu lassen.

Wir sollten daher unsere Zweifel und unsere bösen Worte nicht an uns selbst richten. Sondern einfach an unseren besten Feind, der uns niemals im Stich lassen wird, sondern immer dann auftaucht, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann.

 

Notiz an mich: Ehrenfeld als Single ist immer nur abends in Party-Begleitung aufregend und schön!

Notiz an die Welt: Wenn sich dein Arsch-Ego zu dir gesellt, heisse es willkommen! Biete ihm ein Kölsch und bedanke dich, dass es dich auch begleitet, in Zeiten wenn du es tächlich brauchst. Und danach prügel den Arsch aus dem Lokal und zeig ihm wer der Chef im Ring ist!

 

Deine Steffi

von felicee-feeling.de

Arsch-Ego Gute Laune

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4 comments

    • Steffi

      Und was bei Liebesleid am meisten hilft: Freunde, die einen unter die Arme nehmen und auf den Thekentresen schubsen! 😉 Ganz bald liebe Mareen, ganz ganz bald!!

  • Suse

    Oh je, ähnliche blöde Sitaution hatte ich Ende letzten Jahres, genau zur Weihnachtszeit. Da habe ich meinen Ex und seine Neue auf dem Weihnachtsmarkt getroffen. :(
    Aber wenn der Ego wieder etwas leiser wird, dann geht es meist einem auch schnell wieder besser!
    Einen schönen Frühlingsstart für dich und vielleicht bald schon ein paar Schmetterlinge! :)
    Liebe Grüße aus Hamburg,
    Suse

    • Steffi

      Danke Suse! Und was für eine schöner Bezug zu meinem Schmetterlingsbeitrag. Das erinnert mich an die vielen schönen Dinge, die man sich in solchen Momenten gerne wieder in Erinnerung rufen sollte!
      Liebe Grüße, Steffi

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