Bekannte

Warum Bekannte genauso wichtig sind wie Freunde

In meinem zweiten Teil zur eigenen Strenge ging es auch um nervige Bekannte, denen ich zukünftig weniger Raum in meinem Leben gebe und bekam darauf hin Kommentare und Mails von Lesern, die mir schrieben, dass Freunde eh viel wichtiger sind als Bekannte.

Ersteinmal freue ich mich über so viele aktive Leser! Darüber, dass du dir deine Gedanken hierzu machst und mir eine Rückmeldung gibst. Dies ist für mich nicht nur interessant, sondern auch wirklich wichtig, denn mir wird hierdurch bewusst, dass es ein paar Dinge gibt, die wir uns wirklich verdeutlichen sollten.

Freunde sind unersetzlich

Natürlich sind meine Freunde unglaublich wichtig für mich, um mit mir gemeinsam Entscheidungen in meinem Interesse zu treffen, in jeder Lebenslage hinter mir zu stehen, mir immer wieder zu spiegeln was gut und richtig ist. Mich nicht nur aufzufangen und zu unterstützen, sondern auch um mich bei ihnen fallen zu lassen, wertfrei und ohne Scham; meinen Gedanken und Gefühlen freien Lauf zu lassen.

Bei wem sonst kann ich so herrlich kläglich meine nächtlichen Verzweiflungs-ich-will-dich-zurück-du-arsch-SMS bereuen, meinen Zukunfts-Gedanken-Angst-Euphorie-Wirrwarr bejubeln und meine letzte misslungene eigentlich-wusste-ich-schon-vorher-dass-das-nix-gibt-Job-Idee belachen. Niemand sonst nimmt und trägt mich so urteilsfrei und würdevoll durchs Leben. Und niemandem sonst kann ich dies in gleichem Maße zurück geben. Aber um diese unangetastete Stellung der Freunde geht’s nicht immer im Leben. Für mich sind neben diesen Freundschaften, Bekanntschaften und Menschen denen ich auch nur mal phasenweise begegne ebenso wichtig!

Bekannte

Auch Bekannte sind unersetzlich!

Bekannte sind Wegbegleiter, die dein Leben für eine Stunde, einen Tag oder eine ganze lange Zeit lang streifen; die du selten oder regelmäßig siehst. Dein Arbeitskollege, deine Nachbarin, eine Mitfahrgelegenheit, jemand mit dem du eine ganze Nacht durch tanzt. Jemand der dir immer wieder beim Einkauf im Supermarkt, bei der montäglichen Yoga-Stunde oder auf Reisen begegnet. Natürlich können sich hieraus Freundschaften ergeben, aber das muss es einfach nicht immer. Es reicht auch hin und wieder miteinander zu sprechen, sich auszutauschen und die Sichtweise des anderen wahr zu nehmen.

Bekannte geben mir eine objektivere Sichtweise auf mein Leben. Eine andere Kritik, als ich sie von meinen Freunden erhalte. Und sie geben mir ihre Meinung zu bestimmten Themen, ohne meinen Hintergrund und Hürden für oder gegen Entscheidungen zu kennen. Bedeutet sie geben mir eine Sicht aus ihrer Sicht, ohne meine Sicht hierbei zu berücksichtigen ( – was für ein Satz)!

Damit meine ich, dass die eigene betriebsblinde Sichtweise verschwindet und man hierdurch neue Ideen und neue Impulse bekommt. Anregungen und Tipps auf die man sonst gar nicht stossen würde. So habe ich die besten Empfehlungen für Ausgehmöglichkeiten, Reisepläne und Geschenke fast immer von Bekannten erhalten.

Und auch Seelenheil gehört hierzu. Denn emotionaler Mist lässt sich auch gerne mal in einem Gespräch mit einem Bekannten austauschen. Wenn wir unser Gegenüber nicht immer mit einem standardisierten „mir geht´s gut und selbst“ abfrühstücken, stellen wir manchmal fest, was für hilfreiche und inspirierende Gespräche sind hierbei ergeben können. Natürlich nicht immer, aber meistens in den Momenten in denen wir es tatsächlich brauchen!

Natürlich passiert ein Seelen-Striptease wie ich ihn regelmäßig gegenüber Freunden auslebe bei einem Bekannten nicht in diesem Maße. Allerdings kann ich mich auch hier über Gedanken, Freuden, Ideen, Sorgen und Ängste austauschen. Viel dosierter und kontrollierter versteht sich.

Und auch wenn du dies vielleicht nicht denkst, aber hierbei können wir manchmal mit unseren Problemen weiter kommen, als wenn wir diese stundenlang mit Freunden wälzen. Denn diesen „Aha“-Moment geben einem häufig nur Bekannte.

Es kann hierbei sogar eine ganze Problem-Lösungs-Kette in Gang kommen.

So teile ich mit einem Mädel, das ich grade an der Theke kennengelernt habe, meine momentane Partyunlust und sie empfiehlt mir einen tollen Yoga-Kurs in Köln.

Für meinen Yoga-Bekannten sieht mein Arbeits-Alltags-Frust irgendwie gar nicht so unüberwindbar aus und er rät mir zu einer kreativen (Reise-) Auszeit.

Und die Mitfahrgelegenheit kommt grade von einer Südostasien-Reise und gibt mir einen tollen Rat, welchen Insider-Ort ich mir unbedingt einmal anschauen müsste, der bislang in kaum einem Reiseführer zu finden ist.

Und jedes Mal freue ich mich sehr, dass mir diese Menschen begegnet sind und ich erkenne meist erst im Nachhinein Zusammenhänge. Aber diese Aneinanderreihung von Begegnungen gibt es nicht immer und ist auch nicht notwendig. Manchmal reicht auch nur ein einziges Gespräch mit einem ebenfalls genervt wartenden KVB-Fahrgast an der Haltestelle, um mir eine völlig neue Sichtweise auf manche meiner Themen im Leben zu geben oder um für den nächsten Morgen einfach eine Fahrgemeinschaft zu gründen.

Für jede Lebenssituation gibt es mindestens einen passenden Menschen für uns

Mir sind in den letzten Jahren so viele Menschen begegnet, die mir so viele gute Ideen mitgegeben haben. Mir durch ihre objektive Sichtweise eine totale Rückenstärkung verliehen haben. Und irgendwie passten diese Begegnungen auch immer in meine jeweilige Lebenssituation.

So gab es zu Beginn meiner Zeit in Köln vor drei Jahren viele neue Bekannte, mit denen ich das turbulente Kölner (Nacht-)Leben kennengelernt habe. Mit denen ich unbefangen und ohne Tiefgrund die Nächte rund um die Südstadt durchzechte, die Tage in kölscher Atmoshäre verbrachte. Menschen die gute Laune in mir auslösen und meinem Alltag eine besondere Leichtigkeit mitgeben. Im letzten Jahr bin ich dann vermehrt Menschen begegnet, durch die ich die Yoga- und Meditationsszene Kölns, mit der Leidenschaft zu spirituell Experimentellem kennengelernt habe. Mittlerweile sind beide Seiten dieser Stadt und genauso auch die Bekannten hieraus für mich gut und wichtig geworden.

Ich bin aktuell für einen Ausbildungsaufenthalt nach Hamburg gefahren und habe auf diesem Weg in der kurzen Zeit so viele tolle und bereichernde Menschen getroffen. Auf der Fahrt, in der neuen Wohnung und auf der Straße. Meine Reise, die eigentlich aus eher sehr unschönen und ärgerlichen Gründen startete, ist schon jetzt meine glücklichste Auszeit in diesem Jahr, nicht nur wegen der tollen Stadt, sondern grade auch wegen der Begegnungen, Gespräche und Inspirationen! Aber hierzu werde ich später noch einmal mehr berichten.

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Wir alle sind für irgendjemanden auch immer der oder die „andere“

Eine Begegnung mit einem Bekannten, einem Wegbegleiter soll bereichernd sein. Das bedeutet nicht, dass der andere dir hierbei Honig ums Maul schmieren muss oder dir tolle Tipps für deinen Alltag gibt. Aber es sollte sich immer gut anfühlen, den Bekannten zu treffen, dich mit ihm auszutauschen, mit ihm zu feiern oder gemeinsam zu meditieren.

Denn das wichtigste ist, du solltest mit einem schönem Gefühl, einer Inspiration, einer Motivation oder einfach nur guter Laune aus dem Gespräch oder der Situation wieder raus gehen. Entweder etwas was du bekommen hast, oder etwas was du gegeben hast. Denn so wie der andere dir dies mitgeben kann, kannst du dies ebenfalls für den anderen tun:

Du bist für irgendjemand auch immer der oder die andere!

Geniesse es Menschen auf der Straße zu begegnen, Bekannte zu treffen und nehme zukünftig andere, die dir gut tun, bewusster wahr. Erkenne wie viel sie dir mitgeben und welche neuen Wege sie dir aufzeigen können.

Entdecke, welchen Eindruck, welche Veränderung eine Begegnung und ein Gespräch für den anderen geben kann. Und dann sei selbst genau dieser andere, der einer flüchtigen Bekanntschaft den Impuls zur Veränderung, zur Rückenstärkung, zur Aufmunterung gibt.

Hierfür gibt es keine Anleitung und auch nicht jede Begegnung ist eine Bereicherung! Im Gegenteil, ich könnte eine lange Liste der unbereichernden Begegnungen aufführen, aber auch hierzu gibt es dann mehr in meinem nächsten Glückstipp zu den „Energiesaugern“.

Aber wenn wir uns bewusst werden, wie viel bereicherndes und positives wir aus den Begegnungen mit anderen Menschen ziehen und geben können, nehmen wir diese zukünftig viel aufmerksamer wahr und lenken unsere kleinen Alltagssituationen in eine positive Sichtweise.

 

Merke I: Nervige Bekannte können uns viel Kraft kosten und unsere Nerven stark strapazieren. Aber alle anderen, die positiven Wegbegleiter können uns mit neuer Energie beleben und uns für den Moment, den Tag und bei jeder Begegnung glücklich machen.

Merke II: Du bist für irgendjemand auch immer der oder die andere. Genauso kannst auch du in kleinen Begegnungen Motivation, Inspiration und gute Laune weitergeben. Energie schenken und glücklich machen. Und es ist ein Boomerang – versprochen!

 

Deine Steffi

von felicee-feeling.de

 

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10 comments

  • Sandra

    Toller Beitrag – Bekannte können einem sehr gute Impulse geben und einen zudem überraschen. Persönlich erlebe ich das immer bei meinem Zumba-Kurs – obwohl wir nur Bekannte sind, nehmen wir irgendwie an dem Leben des anderen teil, aber eben viel dosierter als wie es bei Freunden der Fall ist. Auch den Vergleich mit einem Boomerang finde ich sehr passend – wenn man viel Gutes gibt, erhält man es auch langfristig in irgendeiner Form zurück! VG Sandra

  • kaddinator

    Ich muss dir recht geben.
    Mit meinen Freunden rede ich über sehr vieles privates, aber nicht immer haben diese Menschen Zeit.
    bin ich gerade unglücklich und fühle mich alleine, dann kommen die Bekannten zum Zug. Sich ablenken lassen und wie du sagtest einfach mal eine andere Sichtweise auf die eigenen Probleme bekommen ohne direkt total emotional zu werden.

  • Christine-Claudia Fischer

    Der Bericht ist mal wieder sehr schön geschrieben. Und ich kann das nur bestätigen. Ich habe viele Bekannte, mit denen ich mich ab und zu austausche. Mit jedem kann man über andere Themen quatschen und es wird nicht langweilig. Und auch oberflächliches Blabla kann manchmal richtig lustig sein. :)

    LG Christine

    • Steffi

      Hallo Christine,
      dane dir! Und ja du hast, es müssen auch nicht immer die tiefgreifenden Themen sein. Ich habe schon herrlich rockige Abende mit einer tollen Gruppe von Kölner-Bekannten erlebt. Auch Leichtigkeit kann sich im Kreise von Bekannten besonders leicht anfühlen! :)
      Lieben Gruß,
      Steffi

  • Limalisoy

    Ein wichtiger Beitrag für die Auseinandersetzung mit den eigenen ICH. Bin auch gerade dabei, einen Beitrag über den Anteil von Freunden und Bekannten im Leben mit der Depression zu formulieren. Hier sind die richtigen Wegbegleiter Gold wert.
    LG Yvonne

    • Steffi

      Hallo Yvonne,
      ja grade auch in schwierigeren Zeiten begegnet man manchmal genau den richtigen Menschen. Dies habe ich ebenso erlebt und es war eine Bereicherung für mein komplettes Leben. Manchmal hilft auch einfach nur ein guter Erfahrungsautausch mit Gleichgesinnten!
      Lieben Gruß,
      Steffi

  • Martina

    Ein sehr schönes Posting, das zum Denken anregt. Ich habe gemerkt, dass es mir sehr oft schwer fällt, Menschen zu Freunden oder Bekannten zuzuordnen! Ich glaube, der Übergang ist manchmal fließend, und Menschen können bei mir auch zwischen dem einen und dem anderen oszillieren!

    • Steffi

      Hallo Martina,
      danke dir! Und ja die Grenzen sind in jedem Falle fließend. Ich möchte auch nicht eine deutliche Abgrenzung zwischen dem einen und dem anderen machen, sondern vielmehr sollten wir uns darüber bewusst sein, dass Familie und Freunde wichtig sind, aber all die anderen Menschen, Begegnungen und Wegbegleiter ebenso! :)
      Lieben Gruß,
      Steffi

  • Jaimee

    Bekannte hab ich auch an jeder Straßenecke … mal ein kurzes Schwätzchen, das ist immer schön! Wieder mal ein toller Beitrag von dir! :) Und schön, dass du deine Leserstimmen aufgreifst!

    Liebe Grüße
    Jana

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