Erwartungen

Feeling im Juli und August: Erwartungen – Lebst du deine eigenen oder die der anderen?

Wessen Erwartungen erfüllst du?

Hast du dir schon einmal überlegt, was Deine Erwartungen an Dein Leben sind und wessen Erwartungen im Leben du tatsächlich erfüllst?

Am Höhepunkt meiner eigenen Unzufriedenheit musste ich mir genau diese Frage stellen. Denn sie schützte mich davor, von mir selber masslos enttäuscht zu sein. Sie zeigte mir auf, dass ich nicht das Leben meiner eigenen Erwartungen führe, sondern vielmehr ein Leben, das den Erwartungen anderer entsprach.

Ich hab dies nur sehr lange nicht für mich erkannt. Das bedeutet nicht, dass ich undankbar oder enttäuscht von meinem Weg bin, aber ich erkenne nun viel mehr, dass mein bisheriges Leben gar nicht der Weg war, den ich für mich haben wollte.

Ich glaube, es sind die eigenen und die fremden Erwartungen die uns zu Perfektionismus, Durchhaltevermögen, Disziplin antreiben. Aber wenn wir diesen Erwartungen nicht mehr gerecht werden, ist es auch das, was uns in tiefe Löcher stürzt, uns krank macht und uns mit uns selber hadern lässt.

Natürlich lassen sich Erwartungen auf die kleinsten Situationen herunter brechen. Oft haben wir im Hinterkopf, wen wir wann mit welchem Verhalten enttäuschen, weil wir seinen Erwartungen dann nicht entsprechen. Dies kann für Prüfungssituationen genauso gelten, wie für eine Absage zu einer Feier, ein vorbereitetes Essen oder eine kurzfristige Änderung der Tagesplanung. Wir wollen mit unserem Handeln den Ansprüchen anderer gerecht werden und vergessen darüber unsere eigenen Bedürfnisse und Sehnsüchte.

Und das führt dann manchmal dazu, dass wir uns verdrehen. Da wir eben nicht in jeder Alltagssituation rebellieren wollen, sondern vielmehr die Ausmaße abschätzen, wie enttäuscht unser Gegenüber nun davon sein könnte und daher einige Kompromisse eingehen, um dies zu vermeiden. Und ganz ehrlich. Das ist genau richtig so. Ich finde wir müssen nicht immer und in jeder kleinsten Situation unseren Standpunkt vertreten und halten, wir können auch mal, dem anderen zuliebe und um seinen Erwartungen zu entsprechen agieren. Aber das können wir eigentlich nur gerne machen, wenn wir dies aus der freien Entscheidung heraus tun und nicht aus einem Verpflichtungsgefühl.

Aber mir geht es heute vielmehr um die großen Erwartungen im Leben und nicht um die kleinen Alltagssituationen. Also um die Frage welches Leben du wirklich führen möchtest.

Da ich mir diese Frage lange Zeit nicht gestellt habe, führte es auch dazu, dass mir Freunde, jahrelang Ratschläge gegeben, die ihren Erwartungen vom Leben entsprachen. Dies ist eigentlich nicht weiter wild, nur hätte ich sie nicht annehmen sollen, dann wäre mein Weg wohl schon etwas eher in eine Richtung gelaufen, die mir mehr gefällt.

Mit Anfang 20 wollte ich zum Vollzeitstudium nach Berlin umziehen. Ich hatte mir bereits die Stadt etwas näher und auch schon die Uni angesehen. Aber für mich war dies ein wirklich großer Schritt, ich hatte etwas Muffensausen vor der großen, unbekannten Veränderung. Bevor ich dann die endgültige Entscheidung treffen musste bat ich zwei meiner engsten Freunde um Rat. Für sie wirkte dies wie eine Flucht vor meinen eigenen Problemen und dass ich wenn ich dann viel zu weit von allen weg sei, ausserdem fehle mir dann mein Gehalt und ich könne keine schönen Urlaube mehr machen, keine neuen Klamotten mehr kaufen. Und sie hatten Recht, wenn sie für sich gesprochen hätten. Ich habe ihren Rat befolgt und ging nicht, sondern blieb in meinem Dunstkreis und studierte Berufsbegleitend in Bochum. Noch Jahre später verfolgte mich der nicht realisierte Wunsch in meinen Nächten. Noch Jahre später habe ich dieser verpassten Chance hinterher getrauert. Und Jahre später sahen dann auch meine Freunde, dass sie mir eigentlich ihre eigenen Ängste und Gedanken für ihr Leben auferlegt hatten, anstatt mir einen Ratschlag zu geben, der für mich und mein Leben gepasst hätte.

Da ich kein Freund davon bin, verpassten Chancen hinterher zu trauern, bin ich nun dankbar, dass ich überhaupt die Möglichkeit zu einer Neuausrichtung meines Lebens bekommen habe. Und ich vertraue mittlerweile darauf, dass ich früher oder später und sei es nur für eine kurze Zeit ein Berliner Leben realisieren werde.

Nur sollten wir nicht warten, bis unsere Wünsche uns nachts auflauern und sich als verpasste Chancen in unser Leben schleichen, sondern rechtzeitig unsere Entscheidungen im Leben auf unsere Erwartungen ausrichten.

Aber wie erkennen wir, was wirklich unsere Erwartungen sind und was die Erwartungen der anderen.

Erwartungen

Die Erwartung der Anderen

Das die Beantwortung dieser Frage gar nicht so einfach ist, stellte ich fest als ich das Buch „Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste was ich will“ von Barbara Sher las. Hierin wurde ich mit der Frage konfrontiert, ob ich das Leben führe, das ich führen will oder wessen Lebenserwartungen genau ich erfülle? Wie genau meine Erwartungen aussehen.

Ich kann dieses Buch grundsätzlich wirklich nur wärmstens empfehlen, weil es kein Ratgeber im originären ist, sondern vielmehr ein Arbeitsbuch, mit dem man durch viele kleine und sehr gute Übungen auf Ideen und Denkansätze gestossen wird, auf die ich alleine nicht gekommen wäre.

Und dann erkannte ich hierbei für mich zwei wirklich spannende Dinge:

  1. Ich habe mich lange Zeit von Freunden und Familienmitglieder leiten lassen, mir Ratschläge geben lassen, die völlig andere Erwartungen an ihr Leben und auch an meins haben, als ich selbst.
  2. Es gibt Menschen in meinem näheren Umfeld, die zwei völlig konträre Erwartungshaltungen an mich haben.

So wünscht sich meine Mutter für mich, dass ich die selbstständige Karrierefrau bin, aber auch die Mutter und Hausfrau mit einem wohl verdienenden Partner an meiner Seite. Alles beides sind wohl gemeinte Wünsche von ihr für mich und mein Leben. Aber beides zusammen kann ich nicht erfüllen. Es ist einfach nicht realisierbar und steht in einem Gegensatz zueinander. Daher wurde mir dann klar, dass ich egal welchen der beiden Wege ich gehen würde, ich ihr Erwartungen nicht zu 100% erfüllen kann. Und noch wichtiger ist eigentlich, dass beide Lebenswege eigentlich nichts mit meinen eigenen Erwartungen zu tun haben.

Wir müssen uns also bewusst machen, dass manchmal die eigenen oder die fremden Erwartungen, , so hoch gesteckt oder so unrealistisch sind, dass der Druck unerträglich ist und die Erfüllung schlichtweg unmöglich.

Aber durch die Übung erkannte ich auch, wer meine Erwartungen versteht, diese unterstützt. Und somit hielt ich mich in meinen intensiven Umbruchzeiten ganz bewusst nur an diese Personen. Holte mir ausschließlich hier Ratschläge, Ideen und Unterstützung und liess die anderen Stimmen einfach eine ganze Zeit lang leiser werden. Solange bis ich meinen eigenen Lebenserwartungsplan vor mir stehen hatte und gegenüber kritischen Nachfragen und Zweiflern stand halten konnte.

Erwartungen

Was erwartest Du von Deinem Leben?

Ich möchte dir die Übung aus dem Buch gerne in ähnlicher Form, so wie ich sie durchgeführt habe, weiter geben.

  • Schreibe auf, was die Menschen in deinem Umfeld von dir erwarten, wie sie dich sehen, was sie gerne hätten das du tust, wie du lebst. Typische Sätze einzelner Personen, ihre Sichtweise, ihre Anforderungen an dich.

Mach den Kreis der Menschen so groß wie du ihn für dich machen möchtest. Bei mir waren es insgesamt 11 Personen, die ich hierbei beleuchtet habe.

 

  • Erkenne hierdurch welche Meinungen deinen eigenen Erwartungen vom Leben am nahesten kommen und dann wende dich zukünftig mit Ratschlägen nur noch an diese Menschen.

Nimm Meinungen zwar auf, aber nur dann für dich an, wenn sie mit deinem Lebensbild übereinstimmen.

 

  • Finde heraus was deine Erwartungen an dein Leben sind. Welchen Weg möchtest du wirklich von Herzen gehen, ohne konventionelle gesellschaftliche Normen, ohne auferlegte Urteile Aussenstehender.

Und dann tue es, gehe diesen Weg. „Love what you do, do what you love!“

 

Seinen eigenen Vorstellungen vom Leben zu folgen und seinen eigenen Erwartungen zu entsprechen, macht glücklich.

 

Deine Steffi

von felicee-feeling

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13 comments

  • Sandra

    Ein interessanter Artikel, denn viel zu oft lassen wir uns bewusst oder unbewusst davon steuern, was unser enges Umfeld, aber auch die Gesellschaft von uns erwartet, dabei ist doch letztlich nur von Bedeutung, dass man die Art von Leben führt, die einen selbst glücklich macht!

  • Lexa

    Hmm, ich sehe das ganze ein bisschen kritisch. Zwar gebe ich dir grundlegend recht, das man die Erwartungen anderer nicht erfüllen sollte. Also nicht unter Zwang. Aber andererseits glaube ich, das die allerwenigsten jemals wirklich wissen was sie wollen. Egal wie viele Übungen sie machen und wie lange sie nachdenken.
    Ich schließe mich da nicht aus.
    Ja, ich glaube zu meinen, das ich weiß was ich will. Aber so ganz sicher sein kann ich mir da nicht. Vielleicht denke ich nur, das ich es will, aber eigentlich will ich was anderes. Nur um dieses andere zu wollen müsste ich viel mehr Energie aufbringen. Energie, die ich nicht benutzen will. Die ich lieber in Reserve halte. Für den Fall der Fälle.

    Also ja, man sollte versuchen rauszufinden was man will. Aber man darf dabei nicht unrealistisch werden und man sollte auch nicht in das andere Extrem verfallen und etwas glauben zu wollen, nur weil es keiner von einem erwartet…

    • Steffi

      Hi Lexa,
      danke dir für deinen kritischen Kommentar. Ich gebe dir da vollständig recht. Natürlich sollten wir nicht zu rebellischen Teenager zurück mutieren, die hauptsache entgegen der Meinung der anderen handeln. Ich halte beide Extreme, sowohl sich nur nach der anderen, als auch rücksichtslos nur nach der eigenen Lebenserwartung auszurichten, für sehr uneffizient um dauerhaft glücklich zu sein.
      Ja, es ist nicht leicht heraus zu finden, was man wirklich möchte und dies darf sich auch im Laufe der Jahre immer wieder mal verändern. Ich habe viele Jahre meines Lebens nach dem Ausschlussprinzip gelebt und habe anstatt die Dinge zu verfolgen die ich möchte, weil ich diese schlichtweg nicht kannte, einfach versucht die Dinge hinter mir zu lassen, die ich nicht möchte. Dies ist zwar nicht der gradlinige Weg, aber trotzdem ein hilfreicher.
      Weil, ganz ehrlich, wenn es so einfach wäre zu wissen was man wie will und dies dann auch einfach gradlinig zu verfolgen, dann würden wir dies alle einfach machen und bräuchten weder Ratgeber, noch Therapeuten, noch Beiträge wie diese. :)
      Es gibt hierbei sicherlich keine One-Minute-Lösung, sondern wie viele andere Dinge sehe ich dies als einen Veränderungsprozess an. Aber wer erlebt hat, wie gut und kraftvoll es sich anfühlt, seinen Weg zu sehen und diesen dann anzustreben, der sucht auch bei allen zukünftigen Entscheidungen dieses selbstbestimmte Glücksgefühl.
      Ich wünsche dir alles Gute für jede deiner weiteren Entscheidungen. 😉
      Liebe Grüße,
      Steffu

  • Wonderful.Moments

    Toller Artikel mit guten Tipps.
    Oftmals muss man aber auch die Erwartungen der anderen erfüllen wie beim Job, Kinder,…

    Auch haben mir oft die Ratschläge anderer geholfen, weil ich selbst zu „unerfahren“ war.

  • Jaimee

    Ich habe früher oft die Erwartungen anderer erfüllen wollen und mich in eine berufliche Laufbahn quatschen lassen, die mir überhaupt keinen Spaß gemacht hat. Heutzutage mache ich was ganz anderes und bin froh, dass ich auf mich und meine Wünsche gehört habe!
    Liebe Grüße
    Jana

    • Steffi

      Hallo Jana,
      so oder so ähnlich ist es mir auch ergangen. Ich denke, aber dass dies einfach zum Leben dazu gehört, denn die wenigsten von uns sind mit 20 in der Lage gradlinig und direkt klare Entscheidungen mit deren absehbaren Konsequenzen zu treffen. Aber es ist gut, irgendwann späteren Verlauf dann seinen eigenen Weg zu finden, anstatt sich über Jahre unglücklich dem einmal gewählten (fremdbestimmten) Weg hinzugeben.
      Liebe Grüße,
      Steffi

  • Limalisoy

    Liebe Steffi,
    mal wieder ein wunderbarer Beitrag von dir, der mich gleich zum Grübeln bringt. Bei mir ist das auch so mit den Erwartungen…Irgendwie versuche ich allen und jedem gerecht zu werden und vergesse dabei, auf mich selbst zu hören. Also manchmal weiß ich gar nicht mehr so wirklich, was ich eigentlich an mich für Erwartungen habe. Dein Beitrag ist für mich ein Mahnmal, um mich neu zu erden. Es gelingt mir schon jetzt etwas besser als zuvor :-) Danke und liebe Grüße, Yvonne

  • Jasmin

    Sehr schön geschrieben, du hast vollkommen recht, man sollte das machen was man selber will und nicht was andere von einem erwarten.
    Aber im Beruf muss man das erfüllen von was man erwartet wird, sonst bekommt man gleich den Laufpass.
    Privat muss man einfach auch mal nein sagen, aber das müssen viele auch noch lernen.

    LG Jasmin

    • Steffi

      Hallo Jasmin,
      super Tipp für einen zukünftigen Beitrag! Denn das Nein-Sagen ist tatsächlich eins der schwersten Stolpersteine bei unserem alltäglichen Durchsetzen der eigenen Erwartungen.
      Lieben Gruß,
      Steffi

  • Michelle

    Ein sehr schöner und toll geschriebener Post. Ich kenne das nur zu gut. Habe früher auch immer das gemacht, was andere von mir Erwartet oder Gefordert haben. Ohne auf das Rücksicht zu nehmen, was ich möchte oder mir wünsche. Man macht Dinge, bei denen man sich nicht wohl fühlt. Was natürlich auf die Psyche drückt. Deshalb habe ich irgendwann gelernt, mehr auf mich und meine Bedürfnisse zu hören. Auch wenn es mir bis heute nicht immer leicht fallen will.
    Liebst Michelle von beautifulfairy

  • Agnieszka

    Ein sehr schöner inspirierender Text. Ich beschäftige mich zur Zeit auch verstärkt mit diesem Thema. Es verändert sich einiges: Jobwechsel, Freunde kommen und gehen. Man merkt, dass auch die Menschen sich verändern, mehr reflektieren. Aber leider noch zu wenige. Es ist leider noch viel zu viel Zynismus unterwegs. Jeder denk alles besser zu wissen. Es wird noch eine Weile dauern bis sich die Mentalität der Menschen verändert. So schnell geht das leider nicht… Wie auch immer. Grüße aus dem mal wieder sonnigen Hamburg! :)

  • Limette

    Das ist ja wunderschön! Also ich finde das einen guten Ansporn sein Leben neu zu sortieren. Ich kann Lexa´s Meinung nicht ganz nachvollziehen. Scheinbar hat sie noch zu wenig Erfahrung gesammelt. Aber jeder Jeck ist anders :-)

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