Feeling des Monats, Frühjahrsputz

Frühjahrsputz – die eigenen Fesseln lösen

Der Frühling hat begonnen! Juchu!

Für mich ist dies eine der schönsten Jahreszeiten, wobei ich eigentlich jede für sich mag. Aber ich spüre zu Beginn der Frühlingszeit immer die meisten Veränderungen in mir. So erlebe ich die Krokusse aus den Gärten und die ersten Menschen die in der Nachmittagssonne am Rheinufer sitzend, immer besonders bewusst.

Und in mir kommt dann ein besonders großer Wunsch der Veränderung, des Aufräumens, der Klarheit. Nicht ohne Grund ist der Frühjahrsputz eines der beliebtesten und bekanntesten Rituale der Deutschen! Neben Weihnachten, Sauerkraut mit Haxn und FKK versteht sich.

Aber entgegen dem, dass meine Oma und meine Mutter unter einem Frühjahrsputz typischerweise noch das Entstauben von Bilderrahmen, das Waschen der Vorhänge und das Wischen der Schrankinnentüren verstehen, sehe ich dies eher als einen Kurzauftrag um die guten Floskel-Vorsätze von Neujahr auch zu leben. Mehr Sport, gesündere Ernährung und frühes Aufstehen ist einfach im April viel angenehmer und leichter umzusetzen als Anfang Januar.

Das Einläuten des Fastens bringt ja schon den ein oder anderen Denkanstoß hierzu mit. Nun, so habe ich im letzten Jahr während der Fastenzeit versucht auf das Fernsehen im Schlafzimmer zu verzichten. Hat geklappt! Problemlos! Ich habe einfach 40 Nächte auf der Couch im Wohnzimmer verbracht! Was für ein unbequemer Selbstbetrug.

Und dann begegnete mir  Pierre Franck, ein wunderbarer und sehr beliebter Motivationscoach, der mich in Zeiten meiner Veränderung sehr intensiv mit seinen Texten begleitet hat. Eine ganz besondere Botschaft hat er hierbei in eine Geschichte vom Zoobesuch aus jungen Jahren verpackt. Gerne möchte ich daher aus seiner Geschichte zitieren:

 

Die wohlerzogenen Dickhäuter

„Jedesmal, wenn ich mit meinem Vater in den Tierpark ging, besuchten wir auch das Elefantenhaus mit seinem großen Gehege. Denn dort gab es für mich stets ein großes Rätsel zu betrachten. Obwohl die Elefanten so mächtige Tiere waren, genügte ein kleiner dünner Strick, um sie am Weglaufen zu hindern.

Wie war das möglich? Ein kleiner, für sie unbedeutender Ruck, und sie wären frei. Aber kein Einziges dieser großen Tiere kam auf diese Idee.

Und so standen wir oft vor diesen imposanten Tieren, und mein Vater erklärte mir stets aufs Neue, dass die Elefanten einfach nicht wüssten, dass sie stärker als das dünne Seil sind. Mir war das völlig unverständlich. Wie konnte der große starke Elefant das nicht spüren?!

Und dann erzählte mir mein Vater, auf welche Weise Elefanten erzogen würden. In Indien setzt man Elefanten gerne als Arbeitstiere ein, und so bindet man den noch ganz jungen Elefanten, um sie am Weglaufen zu hindern, den Fuß mit einer Kette an einen Pfahl. Natürlich versucht sich jeder kleine Elefant anfangs loszumachen. Aber alle Mühe ist vergebens. Er ist nicht kräftig genug. Er schafft es nicht. Die Kette um seinen Fuß lässt ihn nicht in die Freiheit. Auf diese Weise hat der Elefant bereits früh gelernt, dass er einfach so nicht wegkommen kann.

Später wächst der Elefant zu einem mächtigen, starken Tier heran. Nun wäre es natürlich ein Leichtes für ihn, die Kette zu zerreißen. Aber er tut es nicht. Er hat gelernt, dass er nicht gegen die Fußfessel ankommen kann. In seinem Kopf existiert noch immer die Überzeugung, dass die Kette stärker ist als er.

Die Erfahrung als kleiner Elefant hat ihn gelehrt, dass es keinen Zweck hat, sich gegen die Kette aufzulehnen. Diese Überzeugung ist so stark, dass man schließlich nur noch ein kleines dünnes Seil benötigt, um den großen Elefanten am Weglaufen zu hindern.

Die Überzeugung des Elefanten hat nichts mehr mit den tatsächlichen Umständen zu tun. Längst könnte er sich mit Leichtigkeit befreien. Dieses kleine dünne Seil um seinen Fuß ist eigentlich eine Farce. Eine Beleidigung für das starke Tier. Wenn er es nur wüsste!

Jeder Besucher im Tierpark sieht, wie lächerlich klein dieses Seil ist. Der Elefant erkennt diese Wahrheit schon lange nicht mehr. Das ist doch erstaunlich. Es ist der gleiche Elefant, der für schwere Arbeiten im Wald eingesetzt wird, und dann lässt er sich durch ein kleines dünnes Seil seiner Freiheit berauben. Jeder Elefant müsste nur einmal kräftig daran ziehen.

Aber er probiert es nicht. Er hat gelernt, dass es keinen Sinn hat. Er „weiß“, dass er es nicht schaffen würde. Er „weiß“, dass er nicht stark genug dafür ist. Er „weiß“ – und deswegen probiert er es nicht einmal mehr.

Seine Überzeugung ist so stark, dass er die Realität nicht mehr sehen kann.“

……………………..

Text: Pierre Franckh

Auszug aus dem Buch „Einfach erfolgreich sein“

 

Feeling des Monats, Frühjahrsputz

Der eigene Frühjahrsputz

Wir sollten die sonnige Jahreszeit, das Erwachen der Natur nutzen, um selber etwas aufgeweckter durch den Alltag zu gehen. Dem Selbstbetrug keinen Platz mehr geben. Auch wenn die Couch ebenso bequem ist wie die Ausreden, um uns von Veränderung im Leben abzuhalten.

All unsere Erlebnisse, die so schön Erfahrungen genannt werden, lassen uns wachsen und stärker werden. Das wissen wir schon ziemlich lange. Und das noch so viel Stärke in uns steckt, das wissen wir bestenfalls auch noch. Nur nutzen wir diese nicht. Denn wir sind uns nicht darüber bewusst, welche Fesseln uns halten. Wenn wir unseren Ängsten, sei es vor der sehnsuchtsvollen Veränderung im Job oder der Beendigung der unglücklichen Beziehung ins Auge sehen, dann werden die Fesseln das, was sie tatsächlich sind: kleine leicht durchtrennbare Täue!

Nutze also diesen Frühjahrputz dazu um einfach mal deine alten Überzeugungen vom „das kann ich nicht“, „das wird doch nichts“, „was bringt denn das“ loszulassen. Dir Deiner eigenen Fesseln bewusst zu werden und – natürlich zusätzlich zum Sport und der gesunden Ernährung – einfach mal in deinem Leben unschöne Angewohnheiten auszumisten. Was stört dich und wovor hast du Angst? Welch noch so kleine Fessel ist schon zu einem unüberwindbaren Strick der Enge und Abhängigkeit geworden? Und wenn du erkennst dass dies eine gewachsene Angst ist, hast du den Mut sie kleiner werden zu lassen und auszubrechen?

Was würdest Du tun, wenn du gar nicht denken würdest, dass es nicht ginge? Wenn du das kleine Tau vom Fuße einfach lösen kannst?

Es geht! Also tu es!

Ich wünsche dir hierbei viel Spaß und anschließend jede Menge saubere Schränke!

 

Deine Steffi

von felicee-feeling.de

 

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14 comments

  • Jaimee

    Der Spruch auf dem Kalender, oder ist es ein Buch? … ist sehr schön! Und was dahinter steht, ist toll! Ich verstehe Frühjahrsputz auch so und so. Man sollte nicht nur sein Zuhause rein machen, sondern es gibt noch so viele andere Baustellen, bei denen man vielleicht etwas ändern kann!
    Schön geschrieben! Pierre Franck kannte ich bisher nicht!
    Liebe Grüße
    Jana

  • Christine-Claudia Fischer

    Wow, was für ein toller Text! Da fange ich jetzt doch an nachzudenken. Frühjahrsputz ist für mich eigentlich auch noch Vorhänge waschen usw. aber das mit den „Fesseln“ gibt mir echt zu grübeln… Da muss ich gleich mal überlegen, welche Fesseln es bei mir sind…
    LG Christine

  • Yvonne

    Toll geschrieben. Und regt zum Nachdenken an. Für mich war bis jetzt Frühjahrsputz auch immer nur die Wohnung zu entstauben, Fensterputzen usw.
    Aber Du hast schon recht, man sollte auch bei sich mal einen Frühjahrsputz durchführen.
    Liebe Grüße
    Yvonne

  • Danica

    Den Spruch kenne ich schon länger und finde ihn unglaublich gut =)
    Dein Text regt zum nachdenken an und ich gebe recht, man sollte beim „Frühjahresputz“ nicht nur das Heim säubern, sondern auch die Baustellen im Leben, vielleicht auch schauen wie man weiter kommen kann, da oft dafür nur wenig notwendig ist.
    Liebe Grüße
    DaFraKo

    • Steffi

      Ja, das stimmt. Nicht immer müssen die großen Dinge neu durchdacht, das ganze Haus gereinigt werden. Manchmal reicht es auch, wenn man an der ein oder anderen kleinen Schublade etwas gründlicher schrubbt, um den Stein ins Rollen zu bringen! 😉

  • Fotoliebe Online Magazin

    Deinen Denkansatz zum Thema Frühlingsputz finde ich wirklich interessant, das habe ich so noch nie irgendwo gehört. Aber ich finde, es hat was! Deshalb vielen Dank für diesen schönen Post!
    Liebe Grüße und schöne Ostertage!
    Nicole

    • Steffi

      Hallo Nicole,
      das freut mich sehr! Dann wünsche ich dir viel Spaß beim eigenen Reine-Machen! 😉
      Liebe Grüße und ebenfalls schöne Ostern!
      Steffi

  • Neele

    Du hast du recht, man sollte sich selbst viel mehr zutrauen.
    Wenn ich könnte, würde ich einfach alles stehen und liegen lassen und die Welt entdecken, aber man muss auch realistisch bleiben: Geld und Zeit hat man einfach nicht im Überfluss, vielleicht irgendwann einmal, aber jetzt muss ich erst einmal darauf hinarbeiten :)

    Alles Liebe, Neele ♥
    http://www.royalcoeur.de

    • Steffi

      Liebe Neele,
      vielleicht braucht man manchmal aber auch einfach gar nicht ganz sooo viel Geld und sooo viel Zeit wie man anfangs glaubt. Vielleicht helfen auch mehr Mut und mehr Vertrauen in sein Leben. Aber natürlich sollte man nicht immer Hals über Kopf alle Zelte abbrechen. Aber es tut wahnsinnig gut und befreit, wenn man mehr Aufmerksamtkeit seinen Herzenswünschen schenkt und die Alltagspflichten und -sorgen einfach mal für kurze Zeit in den Mittagsschlaf schickt.
      Ich wünsche dir jedenfalls viel Spaß und Erfolg beim Verfolgen (und Realisieren!) deiner Träume! 😉
      Viele Grüße,
      Steffi

  • Jule

    Ich finde der Frühling ist so eine Zeit um auszumisten. Mit alten Sachen Schluss machen und dem neuen – auch den neuen Sonnenstrahlen – fröhlich entgegenblicken. Und wo du absolut recht hast: Aufstehen ist plötzlich viel einfacher (inzwischen durch die Zeitumstellung zwar wieder etwas schwerer, da es um 6 wieder dunkel ist morgens, aber bald ist es ja dann wieder hell 😀

    Liebe Grüße
    Jule

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