Perspektive

Glückstipp #5: Wechsel deine Perspektive!

Der wuselige Alltag

Im letzten Jahr gab es häufiger Tage an an denen ich mich nahezu erdrückt fühlte! Von allem! Von jeder Tätigkeit des Tages, jeder Aktion, jedem Telefonat, von meinen Zukunftssorgen, meinen Beziehungsproblemen, meiner eigenen, stetig präsenten Unzufriedenheit. Mir fehlte die Luft zum Atmen. Jede bevorstehende Aufgabe schien mir als ein neuer Baustein auf einer bereits wackelnden, meterhohen Mauer. Dabei hatte ich bereits das Gefühl, dass ich arbeitete und tat und redete und überlegte und veränderte… aber irgendwie blieb alles gleich. Gleich schwer. Natürlich nicht jeden Tag, aber immer wieder ploppten solche Tage ganz plötzlich auf.

Eines Nachmittags sagte ich zu meiner Lilimü (Lieblingsmünchnerin): „Ich bräuchte eine fleissige Ameisenkolonie, die meine Arbeit erledigt. Die für mich alles organisiert, ordentlich sortiert und weg schafft. Im Büro stapelt sich die Arbeit, wie auch zu hause. Die Aufgaben und Probleme wollen einfach nicht weniger werden. Ich fühle mich wie in einem endlos drehenden Rad.“

Lilimü sagte darauf hin: „Bei dem Chaos in dir drin, ist ja nicht mals mehr Platz für eine einzige Ameise!“

Das brachte mich wirklich zum Nachdenken. Ist tatsächlich in mir alles so voll gefüllt, dass ich mir diese Enge, die eigentlich um mich herum herrscht, selber schaffe?

 

Perspektive

Die Ameisen-Perspektive

Ich habe mir dann mein Leben aus Sicht einer Ameise angeschaut und festgestellt, wie wuselig und riesig groß all meine Sorgen und Ängste so erscheinen. Durch meinen Körper gehend war es in meinem Kopf unfassbar voll, von überall kamen Gedankenströme, Geräusche die in mein Ohr drangen. Der Hals war zu – voll von ungesagten Worten, meine Adern pulsierten spürbar bis zum Herz, sodass der ganze Körper zu vibrieren schien, Magen und Darm waren sprichwörtlich vollgestopft mit unbrauchbaren Dingen, fast schon schmerzhaft vor Trägheit und Fülle. Meine Arme und Hände ständig in Bewegung und selten in der Ruhe. Meine Beine schwer und müde, aber gleichzeitig stetig fleissig und unterwegs. Kurzum: mein ganzer Körper stand unter Strom!

Diese Sichtweise, wie ich mich als Ameise durch meinen überfüllten Körper quetsche war wirklich bedrückend. Die kleine fleissige Ameise tat sich schwer durch meinen Körper zu kriechen. Schlupflöcher, um hierdurch zu kommen, fand sie nur wenige. Und von aussen gesehen wirkte mein Körper einfach riesig groß. Meine Gedanken, meine Sorgen, mein Alltag nahezu erschlagend. Fast schon bedrohlich. Das Gefühl dass mich hierbei überkam war für mich wirklich sehr beengend.

Als ich hierüber am nächsten Tag erneut mit Lilimü sprach, sagte sie mir, dass ich einmal den Wechsel meiner Perspektive probieren solle. Um so mein Leben aus der Ferne und einer anderen, weiteren Perspektive zu betrachten.

Perspektive

Die Adler-Pespektive

Als ruhiges und anmutiges Flugtier stellte ich mir also am Abend mein Leben aus der Perspektive eines Adlers vor. Als dieser flog ich über die Stadt, den Rhein und in weite Ferne. Ruhig, frei und mit einem wunderschönem, weitem Blick. Diese Perspektive hat mir so viel Entspannung zurück gegeben, dass ich am nächsten Tag direkt weiter darin aufblühte. Aus dieser Ferne betrachtet wirkt alles so viel weniger hektisch, so rund, so klein. Mein Leben funktioniert als ein winzig kleiner Teil neben ganz vielen. Meine Probleme, meine Sorgen wirken distanzierter und längst nicht mehr so groß und erdrückend, sondern vielmehr wie ein kleiner zu mir gehöriger Teil. Als Teil des Großen funktionierenden Systems.

Hierdurch bekam alles sehr viel mehr Raum, viel mehr Gelassenheit und Distanz. Ganz viel Ruhe kehrte in meine Gedanken und in meinen gesamten Körper ein. Nur durch die bloße Vorstellung.

Der Adler steht für Weitsicht, Überblick und Kraft.

 

Eine indianischen Legende erzählt über den Adler folgendes:

Ein Adler kann bis zu 70 Jahren alt werden, wenn er sich mit etwa 40 einem radikalen Veränderungsprozess unterzieht! Ansonsten stirbt er. Unweigerlich.

Mit etwa 40 wird sein Federgewand zu schwer zum Fliegen, seine Krallen und Schnabel zu lang und stumpf zum Jagen. Entweder stirbt er nun den schnellen Tod oder er wählt die ungewisse, schmerzhafte Veränderung.

Hierfür muss er seinen gewohnten Adlerhorst verlassen und alleine losziehen. Er reisst sich die Federn aus. Bricht und wetzt sich in einem schmerzhaften Prozess Schnabel und Krallen ab. Er verlässt damit die Zone des Bekannten, gibt Kontrolle auf und riskiert die Hinwendung zum Unbekannten. Ungewiss ob diese Veränderung eine Bereicherung sein wird oder nicht.

Aber der Adler ist bei dieser Veränderung nicht allein. Wird von den Winden und der wärmenden Sonne getragen und trifft bei seinen Überkreuzungen der Täler andere Adler, die diese Veränderung bereits durchlebt haben.

 

Mich beeindruckt diese Legende. Ich weiss nicht wie alt sie ist und von welchem Indianerstamm sie kommt, aber ich weiss, dass sie heute sehr zutrifft auf uns Menschen. Vielleicht sogar mehr denn je. Und mir gefällt der Gedanke daran, die Distanz eines erhabenen, in sich ruhenden Adlers zu tragen.

Viele Jahre lang bin ich als fleissige Ameise der Kolonie gefolgt. Habe funktioniert, organisiert und weggeschafft. Wenig auf mich, sondern eigentlich nur auf die Wirtschaftlichkeit, Effizienz und den hieraus ergebenden Mehrwert gerichtet. Es ist Zeit, das Zepter des Adlers in die Hand zu nehmen. Meinem Leben eine Gelassenheit und Ruhe einzuhauchen. Gewichtungen von Problemen und Sorgen einfach mal zu verschieben und die Prioritäten neu zu setzen. Das alte schwere Federkleid abzulegen und sich das ganze mal aus der Ferne anzuschauen, mit mehr Distanz und Ruhe.

Perspektive

Probiere einen Perspektiv-Wechsel:

Da es mir so sehr im Alltag geholfen hat, kostenlos ist und tatsächlich glücklicher macht, kann ich es Dir nur empfehlen!

Versetze dich in die Situation einer Ameise. Stelle dich auf einen Standpunkt, den du benennst – sozusagen ein Ameisenstandpunkt. Und dann gehe in deinem Körper auf reisen. Setze dir die kleine Ameise gedanklich in dein Ohr und lasse sie spazieren. Vom Kopf bis zu den Füßen. Wo ist es besonders schwierig für die Ameise durchzukommen, wo besonders laut. Wo ist es aber vielleicht auch besonders einfach?

Und danach stelle dich auf einen Adlerstandpunkt. Diesmal mit Weitsicht und Überblick, denn ein Adler fliegt schnell und hoch. Wie sieht die Welt unter dir aus. Wie groß und wichtig sind jetzt noch deine Sorgen? Wie fühlt sich ein Flügelschlag an – Nimm Raum und Zeit um dich herum wahr! Spürst du Leichtigkeit, Distanz und Weite?

Sicherlich, ist dies auch einfach eine reine Übungssache. Aber es ist mindestens einen Versuch wert und hilft dabei sich selbst und seine Sorgen im Alltag aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

 

An den meisten Tagen hat bei mir mittlerweile eine ganze Kolonie Platz hat, um in meinem Körper eine kleine Party steigen zu lassen. Denn es überwiegt Ordnung, Gelassenheit und Klarheit. Ich erkenne mittlerweile recht schnell, wann meine Sorgen zu viele werden, mir meine Glieder schmerzen, sich der Körper unwohl fühlt und kann einlenken indem ich mir mehr Entspannung gönne und mich gedanklich einfach mal auf einen Adlerrundflug schicke. Mich von meinem eingeengten Körper und den überfüllten Gedanken distanziere. Aber wie bereits erwähnt, gehört Übung und Geduld (uargh Geduld, das kann und mag ich nicht!) dazu.

 

Merke I: Den Wechsel der Perspektive kann jeder für sich alleine machen, in kurzer Zeit und kostenlos. Es befreit, entspannt und gibt dem Alltag eine schöne, neue Sichtweise!

Merke II: Wenn dir Ameise und Adler nicht helfen, tut´s sicherlich auch eine andere Perspektive. Biene und Bär, Laus und Löwe, Blume und Baum oder was sonst hilft und vor allem was dich glücklich macht!

 

Deine Steffi

von felicee-feeling.de

 

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14 comments

  • Melissa

    Wie recht du hast. Manchmal machen wir uns über Kleinigkeiten Verrückt nur weil wir es einfach nicht aus einer anderen Sichtweise betrachten. Oft sind manche Situationen im Nachhinein nicht so schlimm, das Chaos überschaubar. Eigentlich müssten wir viel mehr die Sicht wechseln.

    Ich hab mir angewöhnt, erst zu überlegen was das schlimmste ist was passieren kann und wenn es nicht so kommt ist super :) das nimmt manchmal auch schon Stress aus manchen Situationen raus.

  • Paula

    Mein Gott, ich lese ein Buch nach dem anderen, um mich immer weiter zu bilden, um ja DAS psychlogische Wissen zu haben,…
    Und du, du schreibst über Innere Antreiber ohne zu wissen, dass es sowas tatsächlich gibt und im „Fachjargon“ so genannt wird. Und beschreibst sie wunderbar mit deinen eigenen Worten. (Soldaten aus dem Glückstipp #1).
    Auch der Perspektivenwechsel ist ein gerne eingesetztes Mittel der Coaches und Psychologen. Die Sicht eines Adlers ist hierbei wirklich gut gewählt.
    Toll!
    Gruß, Paula

    • Steffi

      Vielen Dank Paula, den tollen Tipp mit dem Perspektivenwechsel habe ich von meiner Freundin aus München bekommen, die dort auch als Coach arbeitet. :)

  • Jaimee

    Die Geschichte mit dem Adler finde ich aber toll! Hier steht mal wieder viel Wahres geschrieben! Man denkt im Alltag zu wenig über all das nach und jedesmal, wenn ich hier Lesen komme, inspirierst du mich zum Nachdenken :)
    Liebe Grüße
    Jana

  • Michelle Früh

    Was für ein toller und interessanter Post.
    Ich kenne das nur zu gut, ich mache mich wegen allem und jedem verrückt.
    Meine Familie sagt immer zu mir, mach dich nicht verrückt…..
    ….. du schaffst das, das klappt schon, bis jetzt wurde immer alles gut…..
    Trotzdem kann ich es nicht lassen und stresse mich damit selbst.
    Was ist aber wenn das und das…. *schrecklich* :)
    Wünsche dir ein stressfreies Wochenende
    Liebst Michelle

    • Steffi

      Hallo Michelle,
      ja das kenne ich auch. Tatsächlich ist der selbst gemachte Stress aber auch der tiefgehendste. Hier hilft mir wirklich am meisten mehr auf meine Fähigkeiten zu vertrauen und mich stetig in Gelassenheit zu üben!
      Viel Glück dabei und dir auch eine streffreie Zeit,
      Steffi

  • Ralf

    In meinen NLP Ausbildungen habe ich gelernt, auf die Metaebene zu gehen. Dissoziiert auf einem Punkt von oben außen, das Geschehene zu betrachten. Wie ein Adler oder auf einer Wolke runterblickend. Dieser Perspektivenwechsel hilft mir so oft, beruflich, privat, im sozialen Ehrenamt. Überall wo es nützlich ist, aus dem Geschehen auszusteigen und sich mit kühlem Kopf einen Überblick zu verschaffen. In fast jedem meiner Blogartikel zu Selbstmanagement und Kommunikation rate ich zum Perspektivenwechsel.

    • Steffi

      Hallo Ralf,
      ja diese Erfahrung habe ich ja jetzt auch machen dürfen. NLP ist für mich ebenfalls ein sehr spannender Bereich, den ich mir hin und wieder durch Podcasts annähere. Jedoch stelle ich fest, dass Theorie und Praxis bei mir viel zu oft auseinander gehen. Ich werde aber dranbleiben! 😉
      Viele Grüße,
      Steffi

  • Limalisoy

    Aus Sicht der Ameise ist alles erstaunlich groß und aus Sicht eines Adlers erstaunlich klein…. Ein ermunternder Beitrag und eine wirklich schöne Idee!

  • Nicole

    Ach, das Thema kommt irgendwie genau richtig gerade.
    Erst einmal sehr interessant und schön geschrieben. Ich liebe deine Texte und ich mag deine Themen.
    Auch deine Bilder finde ich gut gewählt. Passend mit Texten versehen.
    Die indianischen Legende finde ich interessant und auch die Ameisen-Perspektive sehr cool geschrieben.

    Mich machen ja auch immer kleinigkeiten so verrückt, das glaubt man gar nicht ^^.
    Sollte mir das nächste mal vielleicht überlegen, ob es dieses Wert ist, sich aufzuregen *lach*

    LG

    • Steffi

      Hallo Nicole,
      ich freue mich sehr, dass dich der Text so anspricht und ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg bei der Umsetzung! :)
      Liebe Grüße,
      Steffi

  • Jenny

    Mal alles von oben betrachten hilft oft sehr gut. Manchmal machen wir uns selbst so einen unnötigen Stress. Mein Freund z.B. hat sich letztens über etwas so geärgert, obwohl es unnötig war. Ich habe während der Fahrt das Fenster aufgemacht und gesagt „So und jetzt atmest du mal da raus und dabei wandert der ganze negative Mist nach draußen statt nach drinnen“. Es hat echt ganz gut funktioniert 😉
    LG JEnny

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