Strenge

Teil 2 – Sei nicht so streng mit dir, sei glücklich!

Im ersten Teil bin ich bereits der Strenge, die viele von uns sich selbst gegenüber haben, auf den Grund gegangen.

Der selbst gemachte Druck, der in Soldaten-Uniform stets Ordnung, Gehorsam und Perfektionismus einfordert, taucht meist in beruflichen und organisatorischen Situationen, also auf kognitiver Ebene, bei uns auf.

Aber es gibt noch eine andere und ebenfalls sehr einnehmende Strenge, die lange meinen Alltag begleitet hat, mich voll im Griff hatte und nicht immer ein gern gesehener Wegbegleiter ist: die emotionale Strenge.

Sowohl kognitiv, als auch emotional geht es darum in unserem Denken über uns selbst, nachdem wir eine Handlung vollbracht haben, die Auswirkungen unserer eigenen Strenge zu verstehen, einzuordnen und zu lenken. Jedoch sind die Motive unter denen wir handeln zwei unterschiedliche. Wohingegen es bei der kognitiven Ebene darum geht, unsere eigenen Werte zu lenken, gibt es bei den Emotionen einen Vielschicht von Gefühlen, die uns antreiben.

Ich habe mich daher entschlossen, exemplarisch für den Umgang mit der emotionalen Strenge das Gefühl von Einsamkeit und Traurigkeit als Motivation für eine Handlung in den Vordergrund zu stellen. In diesen Emotionen kommt Unvernunft und Strenge bei mir und in meinem näheren Umfeld am häufigsten vor und es ist plakativ genug um hieran zu zeigen, dass es sinnvoll ist, der eigenen Strenge und ihren Auswirkungen einmal auf den Grund zu gehen.

Strenge

Die emotionale Strenge:

Auf der emotionalen Ebene bin ich mir selber gegenüber immer besonders streng und reagiere auf meine eigenen Fehltritte meist völlig verständnislos.
Habe ich mich also per Sehnsuchts-SMS bei meinem Ex gemeldet – nachts leicht angetrunken oder auch tagsüber bei klarem Verstand – weiss ich vorher schon, dass es mir nicht gut tut und weiss spätestens nachher auch genau warum.
Ebenso wenn ich nähere Bekanntschaften – weiblich oder männlich – nur aufgrund von Traurigkeit oder Einsamkeit wieder in mein Leben hole, obwohl ich diese zuvor bewusst auf Abstand gehalten hatte. Vielleicht kennst du dies auch aus Kontakten innerhalb der Familie.

Kurz darauf, Tage danach oder auch nach einigen Wochen passiert es dann, dass ich mich darüber selber sehr ärgere, denn schließlich werde ich in meinem Entschluss mich vom Ex getrennt zu haben oder den Bekannten auf Abstand zu halten bestätigt und wusste eigentlich schon bei der Kontaktaufnahme, dass mir eine erneute Nähe – welche Form auch immer – nicht wirklich gut tut. Ich verstehe dann selbst gar nicht, warum ich mich nicht davon abhalten konnte, wieder in Kontakt zu treten. Mir missfällt diese Schwäche, die ich damit gezeigt habe und ich bekomme das Gefühl eines demütigenden Rückfalls.

Meist ist dieser Rückfall verbunden mit einer Verkettung von Reaktionen. Auch bekannt als Verhaltensmuster, die uns meist schon viele Jahre lang begleiten.
Bedeutet: wenn Fall XY eintritt, reagieren wir Z. Wenn also die Einsamkeit hochkommt, melden wir uns bei dem oder derjenigen, von der wir entsprechende Antwort erhoffen. Wenn Traurigkeit hochkommt, wird die Sehnsucht nach dem Ex sehr groß, und wir erhoffen uns durch den erneuten Kontakt wieder eine kleine Flamme auffackeln zu lassen. Wenn Einsamkeit hochkommt, verabreden wir uns mit der nervigen Bekannten, die einnehmend ist und sich nicht mehr abschütteln lässt, nur um uns zu beschäftigen. usw.

Die Ursache für solche emotionale Ausrutscher sind sicherlich vielfältig, individuell und auch in diesem Rahmen nicht abhandelbar. Fakt ist aber: sie passieren! Ich verliere einfach mal in einem unachtsamen Moment die Kontrolle über mich und meine Gefühle, reagiere unvernünftig. Jedoch nie gedankenlos, denn eigentlich weiss ich schon, was richtig und falsch ist, was mir gut tut und was nicht.

Und damit geht der eigentliche Strenge-Zirkus erst richtig los. Mein Kontrollverlust und Fehlverhalten wird zum Ärger über mich selbst und endet in einer gehörigen Standpauke meines inneren Kritikers, der mit Rohrstock und strengem Blick neben mir steht.

So, es ist also nun passiert. Jetzt habe ich den Schlamassel, die gewünschte oder ungewünschte Reaktion an der Backe und mit ihr den Menschen, den ich bereits mühevoll auf Abstand versucht habe zu halten.

Und nun ärgere, tobe und geissel ich mich sehr sehr sehr….

Strenge

Wie kann uns diese Strenge helfen? – die gute Strenge

Wenn wir ein ungewünschtes Verhalten durch unsere Strenge versuchen zu vermeiden, dann bewirken wir, dass unser Gefühl sich dem Verstand anpassen kann, der es ja schließlich besser weiss.
Unser Hirn weiss nämlich bereits, dass unser Ex uns einfach nicht gut getan hat, eine Sehnsuchts-SMS nicht den gewünschten Effekt bringt. Nur unser Herz will dies noch nicht so recht glauben und daher in den Schwachen Momenten immer wieder unseren Verstand davon überzeugen, dass dies die bislang beste Methode, unser bekanntes Verhaltensmuster war.
Und ähnlich wie bei der Rauchabgewöhnung (yeah, bereits 10 Jahre Rauchfrei!) müssen wir diese „Entzugsphase“ einfach überstehen. Bis unser Herz sich unserem Hirn angepasst hat und dessen Logik verstanden hat. Die eigene Strenge hilft uns dabei und zeigt uns sehr schnell auf, wann wir einen Fehltritt entgegen unseres Verstandes gemacht haben.

 

Wie kann uns diese Strenge schaden? – die böse Strenge

Aber es ist nun mal so, dass unsere Emotionen nicht greifbar und auch nicht immer kontrollierbar sind. Es gibt nun mal keinen „Roboter-Emotionen-Aus“-Knopf. Wenn wir uns stets danach innerlich abstrafen und verständnislos zeigen, blockiert die böse Strenge uns in unserem Denken und schafft es nicht, das „Warum“ zu überwinden um uns zu helfen es zukünftig anders zu machen.

Als Menschen gehören wir zu den glücklichen Lebewesen, die auf vielerlei Schichten Emotionen verspüren, ausleben und durch Verhaltensweisen auch ändern können. Deshalb ist es wichtig, dass wir zu uns einfach mal etwas verständnisvoller sind und nicht auf den einzelnen „Fehltritten“ rumreiten, uns quälen und geisseln, sondern eine Emotion, wie die Sehnsucht, Einsamkeit und Traurigkeit einfach mal als geschehenes Ereignis annehmen.

 

Strenge

Was hilft nun?

Beachte: Alkohol verstärkt die Emotionen!

Es fällt uns sichtlich noch viel viel schwerer uns kontrolliert und diszipliniert zu verhalten, wenn wir Alkohol getrunken haben. Schon in kleinen Mengen wird die gelebte Emotion exponentiell verstärkt und lässt sich wesentlich schlechter händeln. Dies bedeutet nicht, dass du grundsätzlich auf Alkohol verzichten sollst. Erkenne aber, dass in einer Situation, wenn du dich einsam und traurig fühlst, der Alkohol dazu führt, dass du schneller die Selbstbeherrschung verlierst und in tiefere, schlechte Gefühle verfällst und emotional rückfällig wirst. Das ist der Grund für viele meiner unvernünftigen Ausrutscher in der Vergangenheit.

Sei nett zu dir!

Wenn du einmal aus der Emotion heraus „rückfällig“ geworden bist, sieh es als einen menschlichen Zug an und erkenne, dass dein Hirn bereits den Fehler erkannt hat. Und bei weiterer guter Strenge auch diese Erkenntnis bei deinem Herzen ankommen wird. Bis es dann letztlich auch zu einer Handlung werden kann. Du bist bereits auf dem richtigen Weg und brauchst keine Angst zu haben, dich an den falschen Menschen im Leben zu hängen. Denn dieses schlechte Gewissen hast du, weil du bereits weisst, dass etwas falsch läuft. Gib dir selber einfach Zeit, hake es ab und siehe nach vorn. Und bleib am Ball! Vertraue darauf, wenn du dich selber lange genug mit milder Strenge überwachst, wird dein Verstand über deine Emotionen siegen und es wird dir zunehmend einfacher fallen.

Und am besten hilft die Königsdisziplin:

Ändere deine Verhaltensmuster!

Was würdest du in einem solchen Traurigkeits- und Einsamkeitsmoment normalerweise tun? Tue einfach mal etwas ganz anderes! Rufe doch einfach nachts um drei anstatt den Ex, deine beste Freundin an und quatsche ihr all den Sehnsuchtssalmon auf den AB. Oder einfach deine Sportskollegin, Putzfrau oder sonst wen. Bringt den gleichen Effekt für den Moment, führt nur am nächsten Tag zu weniger Bauchschmerzen, sondern zu peinlich-lustigen Gesprächen mit eventuell sehr effektiven Handlungsideen. Glaube mir, viel mehr Menschen als du jetzt denkst, kennen genau solche emotionalen Einbrüche und können deine Gefühle und hieraus entstehende Handlung echt verstehen. Deshalb: öfter anderes Verhalten in den üblichen Situationen, führt dann auch zu weniger Ausrutschern bei den alt bekannten Faux-Pas!

 

So oder so hilft es, wenn du in einer Situation erkennst, dass du grade besonders streng zu dir selber bist. Und dann, wie auch einem guten Freund gegenüber, einfach mal sehr milde mit dir umgehst und diese Eigenschaft der Strenge als einen menschlichen Charakterzug ansiehst. Ein Umdenken und eine Veränderung funktioniert natürlich nicht von heute auf morgen. Es ist wie alles im Leben ein Wachstumsprozess mit einer großen Chance mehr zu dir selber zu finden.

Denn es gibt nicht nur die eine Strenge. Strenge kann positiv und negativ, gut und böse sein. Kann uns fördern oder uns bremsen. Es gibt nicht nur die Strenge, die uns grundsätzlich unglücklich oder glücklich macht. Denn immer, ob kognitiv oder emotional, bringt sie uns an Punkte in denen wir uns entscheiden können und handeln sollten, um unser Glück selber in die Hand zu nehmen.

 

Deine Steffi

von felicee-feeling.de

 

 

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11 comments

  • Sandra

    Sehr beruhigend, dass man die emotionalen Einbrüche, wie aus Verzweiflung und Einsamkeit dem Schwarm oder Ex zu schreiben, nicht alleine teilt! Alternativen, wie besser eine gute Freundin in solchen Momenten anzurufen, finde ich sehr hilfreich!

    • Steffi

      Absolut! Ich finde Leidensgenossen in jederlei Richtigung immer sehr tröstlich!
      Oftmals nehmen wir diese nur nicht wahr, weil wir uns nicht mitteilen! :)
      Lieben Gruß,
      Steffi

  • Nicole

    Huhu,…

    Ich fand ja teil 1 schon ganz interessant und habe dort ja schon geschrieben, dass ich ja mal etwas strenger zu mir sein sollte. Beispiel „mehr nein zu mir sagen“ 😉

    Nachts habe ich auch schon mal eine Freundin angerufen . Allerdings wars bei mir 12-1uhr nachts.
    Aber auch schon ewig her. Muss aber gestehen, dass es damals mir richtig gut tat.
    Wobei man Nachts aber lieber schlafen wollte.

    Ich bin inzwischen 6 Jahre Raucherfrei 😉 Hab mir vor 6 Jahren gesagt, die letzte jetzt und dann nie nie wieder. Hatte den Rest dann weggeschmissen und zeitdem nie wieder eine angeruhrt. Man muss sich dabei nur immer denken. Was bringt es dir und lieber eine runde spatzieren gehen. Hilft auch 😉

    Zu Alkohol greifen würde ich nie. Sollte man auch nicht. Egal wie man drauf ist. Da sollte man sich wirklich mal hinsetzten und richtig streng mit sich sein.

    Ich finde deinen Text wieder sehr gut geschrieben und mir gefallen auch deine Bilder…
    LG

    • Steffi

      Hallo Nicole,
      ja das mit dem nicht Nein sagen können, ist wirklich nochmal ein Thema für sich. Das kenne ich auch nur zu gut.
      Glückwunsch zum rauchfreien Leben. Mir hat es auch echt eine neue Lebensqualität gebracht, aber ich weiss auch, dass es echt nicht einfach ist aufzuhören. Verstand und Unvernunft geben sich da meist die Klinke in die Hand! 😉
      Liebe Grüße,
      Steffi

  • Jasmin

    Deine Tipps finde ich richtig klasse, ich habe nun angefangen abzunehmen.
    Und ich ziehe es momentan wirklich durch, und ich habe auch nicht mehr arg das Bedürfnis Schokolade usw. zu essen. :)

    Dein Text ist wirklich toll geworden.

    LG Jasmin

  • Silkyway

    Hallo liebe Steffi.

    Ein toller Text! Du kannst wirklich schön schreiben. Werde mir den Rest von deinem Blog die kommenden Tage noch durchlesen. Lohnt sich!

    Viel Erfolg und vor allem Spaß hier.
    Deine Fotos gefallen mir übrigens auch mega gut 😉

    Bis bald, Silke F

  • Jaimee

    Ein bisschen streng muss man leider sein, ich momentan zu mir selbst, sonst nasche ich viel zu viel, obwohl ich so gern noch ein paar Kilo verlieren möchte. Anfangs fiel mir das viel leichter, jetzt ist mein Wille irgendwie nicht mehr so stark. Leider :( Also ein bisschen streng bleiben und sich selbst die Schokolade verbieten :)
    Liebe Grüße!
    Jana
    Wie immer gut geschrieben!

  • Michelle Früh

    Ich bin oft viel zu streng zu mir und mache mich dabei leider auch oft fertig.
    Eigentlich sehr doof. Da ich weiß, dass es falsch ist. Ich bin leider ein Perfektionist
    und dabei ist mir eigentlich bewusst, dass es keine Perfekten Menschen gibt.
    Liebst Michelle von beautifulfairy

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