Trauerschleife

Ein Unglückstag – wenn Traurigkeit den Tag bestimmt

Eigentlich sollte doch heute mein nächster Glückstipp erscheinen und morgen die schöne Geschichte darüber, wie ich meinem größten Zweifler begegnet bin und ihn mit einem Rocksong einfach von der Bühne singe. Aber mir ist gar nicht danach zu Mute Freude und Glück zu verbreiten. Ich bin unfassbar traurig!

Dieser Schock über die Ereignisse, des gestrigen Tages, ein Flugzeug, dass mit so vielen Insassen abstürzt. So viele Menschen, die ein Ziel direkt in meiner Nachbarschaft ansteuerten. Zum Greifen nah.

Die Berichtserstattungen zeigen so viele trauernde Menschen, so viele geschockte Fassungslosigkeit. Jeder, der sich hierzu öffentlich äußert, Politiker, Pressesprecher scheint ehrlich betroffen.

Über die Schulklasse, die mit an Bord saß und doch eigentlich nur einen tollen Austausch hinter sich hatte. Und die Eltern, die am Flughafen stehen und auf deren Wiederkehr warten. Auf dem Schulhof trauernde Klassenkameraden.

Aber es sind auch noch so viele mehr davon betroffen, die Trauer zieht weite Kreise.

Denn auch die Austauschschüler aus Spanien, die grade noch eine sehr intensive Zeit mit den deutschen Schülern erlebt hatten. Ich denke hierbei an meinen eigenen Austausch und weiß wie toll diese Zeit, diese Freundschaften kurz darauf noch sind und nachwirkten.

Auch eine Gruppe spanischer IT-Spezialisten war an Bord, auf dem Weg zu einem Kongress in Ratingen. Ihre Familien stehen in Barcelona, sind unendlich traurig und brechen in ihrem Schmerz zusammen.

Meine Freundin schon aus Kindertagen, kannte eine Frau an Bord, eine ehemalige Arbeitskollegin, die auch zu einer guten Freundin von ihr geworden ist. Jung, dynamisch, lebenslustig und vermutlich grade auf dem Rückflug aus einem romantisch, schönen Liebesurlaub (ja, in solchen Momenten denke ich verklärt überzogen). Und nichts was bleibt.

Meine Freundin steht unter Schock, geht heute nicht zur Arbeit, sondern trifft sich mit den anderen ehemaligen Kollegen.

Und mich nimmt dieser persönliche Bezug so mit, dass er in meinen Träumen auftauchte und ich von den hierin integrierten Gefühlen, noch immer völlig neben der Spur bin.

Und so oft passieren Unglücke, so oft passieren schlimme Dinge, aber dieses hier geht grade einfach nicht an mir vorbei. Lässt sich auch nach einer Nacht Schlaf nicht abschütteln. Sondern sitzt heute noch etwas tiefer als gestern.

Und heute, da möchte ich auch einfach traurig sein! Ich möchte nicht zur üblichen Tagesordnung übergehen! Ich möchte die Gedanken und den Schmerz, den ich in mir trage, obwohl ich keinen direkten persönlichen Bezug dazu habe, einfach fühlen und auslassen.

Ich stehe am Bahnhof in Richtung Düsseldorf-Flughafen und spüre, wie so viele Andere dieses dumpfe Gefühl auch nicht auslässt. Wie die Facebook-Berichte meiner Freunde sich nur hierum drehen. Um Fassungslosigkeit, Wortlosigkeit und tiefes Mitgefühl. Irgendwie scheint die Welt heute still zu stehen.

Bei vielen der persönlich Beteiligten wird dies noch Monate anhalten. Bei denen, die es nicht direkt betrifft, wird dies in nur wenigen Tagen wieder vorbei sein. Der Alltag wieder in den Vordergrund treten – was gut und auch für alle wichtig ist. Aber irgendwie scheinen wir alle heute mit den gleichen Gefühlen in diesem Tag zu stehen. Ich fühle mich verbunden, mit den Betroffenen und mit denen die einfach so wie ich bestürzt und traurig sind.

Heute da sitzt der Schock in jedem tief. Die Gedanken, die Gefühle, alles dreht sich darum was diese Verunglückten erlebt haben müssen, nicht mehr erleben dürfen. Und wie die Familien, die Freunde und eigentlich jeder, der einen dieser Menschen kannte sich nun fühlen mag.

Ein schlimmes Unglück! Und auch das Gefühl des Unglücklich-Seins resultiert aus diesem Wortstamm.

Ich finde grade keinen Trost, keine aufmunternden Worte weder für mich noch für jemand Anderes.

Ich weiß nur, wir haben dieses eine Leben und einfach keine Zeit dazu, es mit unglücklichen Momenten zu verbringen. Das Glück zu finden, es zu leben, sollte eins der wichtigsten Dinge sein. Uns nicht mit Unzufriedenheit, Belanglosigkeit abfinden, sondern nach einem erfüllten Glücksgefühl suchen.

Aber wir dürfen auch der Traurigkeit, dem Unglück einen Platz einräumen. Wir können versuchen mit unserem schmerzlichen Gefühl, die wirklich Betroffenen zu verstehen und aufzufangen. Und Allen um uns herum Halt zu geben, aber auch Halt zu suchen. Und den Fremden um uns herum, die sichtlich das Gleiche fühlen wie wir, einfach ein Stückchen näher sein als sonst.

Meine Gedanken und all meine Gefühle sind bei den Verunglückten, bei deren Angehörigen und Freunden. Ich bin unfassbar traurig.

Hierbei gibt es leider keine Gerechtigkeit.

Ruhet in Frieden!

Steffi

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